Nach Protesten in Beirut Libanesische Informationsministerin tritt zurück

Es ist der erste Rücktritt eines Kabinettsmitglieds nach der Explosion im Hafen von Beirut. Informationsministerin Samad bat die Libanesen um Entschuldigung: "Wir sind ihren Erwartungen nicht gerecht geworden."
Libanons Informationsministerin Manal Abdel Samad

Libanons Informationsministerin Manal Abdel Samad

Foto: STRINGER/ AFP

Nach der Explosionskatastrophe in Beirut zieht die libanesische Informationsministerin Manal Abdel Samad Konsequenzen. Als erstes Kabinettsmitglied reichte sie am Sonntag ihren Rücktritt ein. "Nach der gewaltigen Katastrophe in Beirut erkläre ich meinen Rücktritt aus der Regierung", sagte Samal in einer kurzen Stellungnahme. "Ich bitte die Libanesen um Entschuldigung. Wir sind ihren Erwartungen nicht gerecht geworden", fügte sie hinzu.

Es ist der erste Rücktritt eines Kabinettsmitglieds seit der Explosion am Dienstag. Einen Tag davor - am Montag - hatte bereits Außenminister Nassif Hitti seinen Rücktritt eingereicht. Als Begründung nannte er dabei auch die seiner Meinung nach schwache Leistung der Regierung bei dem Versuch, das Land aus seiner schweren wirtschaftlichen und politischen Krise zu führen. Zum Nachfolger wurde Scharbil Wihbi bestimmt, der bisherige diplomatische Berater von Präsident Michel Aoun.

Am Dienstag hatten zwei gewaltige Explosionen im Hafen Beirut erschüttert. Nach Behördenangaben wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet und mehr als 6000 weitere verletzt. Hunderttausende wurden obdachlos.

Demonstranten stürmen Regierungsgebäude

Viele Libanesen machen die Regierung und die politische Führung des Landes für die Katastrophe verantwortlich. Offenbar hatten große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat jahrelang ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelegen. Dies soll die gewaltige Explosion verursacht haben.

Aus Protest waren Tausende Menschen am Samstag durch Beirut marschiert. Einige von ihnen hatten kurzzeitig mehrere Regierungsgebäude gestürmt. Regierungschef Hassan Diab kündigte daraufhin vorgezogene Neuwahlen an, bestritt jedoch, für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes verantwortlich zu sein. Einen möglichen Termin nannte er nicht. Die nächste Wahl stünde eigentlich erst 2022 an.

Bei Zusammenstößen am Rande der Demonstration wurde ein Polizist getötet, mehr als 230 Menschen wurden verletzt. Der Unmut mit dem Regime hat inzwischen einen neuen Höhepunkt erreicht, nachdem Demonstranten dem Regime bereits im vergangenen Jahr Korruption vorgeworfen hatten. Doch die schwere Finanzkrise im Land und die Corona-Pandemie haben die Lage weiter verschlimmert.

Die internationale Gemeinschaft berät am Sonntag in einer Videokonferenz über Soforthilfe für das Krisenland - geleitet wird das Treffen von Uno-Generalsekretär António Guterres und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

mfh/AFP
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