Libanon Designierter Premierminister wirft hin

Mustapha Adib war früher Botschafter des Libanon in Berlin. Nun sollte er in seiner Heimat zum Regierungschef aufsteigen und das Land aus der Krise führen. Doch daraus wird nichts.
Mustapha Adib wird doch nicht Premierminister im Libanon

Mustapha Adib wird doch nicht Premierminister im Libanon

Foto: MOHAMED AZAKIR / REUTERS

Der designierte libanesische Ministerpräsident Mustapha Adib ist zurückgetreten. Er hatte etwa einen Monat vergeblich versucht, eine neue Regierung zu bilden. Nun gebe er auf, sagte der 48-Jährige nach einem Treffen mit Präsident Michel Aoun.

Die vorherige libanesische Regierung hatte nach der nationalen Katastrophe vom 4. August ihren Rücktritt erklärt. Damals starben bei einer Explosion im Hafen der Hauptstadt Beirut mehr als 190 Menschen, etwa 6000 wurden verletzt. Präsident Aoun wählte daraufhin Adib als neuen Premier aus und beauftragte ihn mit der Regierungsbildung. Er war früher Botschafter seines Landes in Berlin gewesen.

Laut Nachrichtenagentur dpa, die sich auf libanesische Regierungskreise beruft, ist der Hauptgrund für das Scheitern Adibs der Streit zwischen rivalisierenden politischen Gruppen. Die schiitische Amal-Bewegung beharrte Medienberichten zufolge auf dem Amt des Finanzministers. Sie hat enge Kontakte zur schiitischen Hisbollah.

Schwere Wirtschaftskrise

Viele Regierungsposten im Libanon werden nach einem Proporzsystem unter den verschiedenen Konfessionen vergeben. Adib wollte darauf allerdings keine Rücksicht nehmen, sondern Schlüsselressorts mit Experten besetzen. Der Politiker sagte in einer TV-Ansprache, er hoffe, sein Nachfolger werde erfolgreicher sein. Noch ist unklar, wer das sein wird.

Der Libanon leidet seit Monaten unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die Corona-Pandemie und die Explosion in Beirut haben die Lage weiter verschärft.

Frankreich will dem Land dringend benötigte Hilfe geben, fordert im Gegenzug aber weitreichende Reformen, etwa im Kampf gegen Korruption. Präsident Emmanuel Macron hatte die Hilfe an eine schnelle Regierungsbildung geknüpft und den libanesischen Parteien am 1. September eine fünfzehntägige Frist gesetzt. Sie musste bereits verlängert werden.

sms/dpa/Reuters

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