Explosionskatastrophe von Beirut Libanons Regierungschef und drei Minister angeklagt

Nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat ein Richter Anklage gegen Libanons Premierminister Diab und drei weitere ranghohe Politiker erhoben. Ob sie tatsächlich vor Gericht müssen, steht aber noch nicht fest.
Libanons Premier Hassan Diab

Libanons Premier Hassan Diab

Foto: Bilal Hussein / AP

Mehr als vier Monate nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat ein libanesischer Ermittlungsrichter Anklage gegen den amtierenden Regierungschef Hassan Diab und drei frühere Minister erhoben. Das berichteten Nachrichtenagenturen übereinstimmend unter Berufung auf Justizkreise.

Ihnen werde Fahrlässigkeit und Mitschuld an der großen Zahl der Opfer gegeben, hieß es. Die Verantwortlichen hätten »nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen«, obwohl sie in »mehreren schriftlichen Mitteilungen vor einem weiteren Aufschub der Entsorgung des Ammoniumnitrats gewarnt worden« sein sollen.

Die hochexplosive Chemikalie Ammoniumnitrat, die über Jahre ungesichert im Hafen gelagert worden sein soll,  hatte die Explosion im August mit mehr als 190 Toten und mehr als 6000 Verletzten verursacht. Große Teile des Hafens von Beirut sowie der umliegenden Wohngebiete wurden stark beschädigt oder vollständig zerstört.

Die vier Beschuldigten sollen nächste Woche zu den Vorwürfen befragt werden. Danach fällt die Entscheidung, ob sie vor Gericht müssen. Das Büro des Regierungschefs teilte indes mit, Diab habe ein »reines Gewissen«. Er sei überzeugt, dass seine Hände sauber seien und er verantwortungsvoll gehandelt habe. Diab hatte erst sieben Monate vor der Explosion ein Kabinett bilden können.

Die Explosion im Hafen von Beirut führte im August zu massiven Zerstörungen in weiten Teilen der Stadt

Die Explosion im Hafen von Beirut führte im August zu massiven Zerstörungen in weiten Teilen der Stadt

Foto: ALKIS KONSTANTINIDIS / REUTERS

Neben Diab wurde die Anklage auch gegen den früheren Finanzminister Ali Hassan Chalil sowie zwei ehemalige Minister für Öffentliche Arbeiten erhoben.

Diab und seine Regierung hatten kurz nach der Explosion ihren Rücktritt erklärt und sind nur noch geschäftsführend im Amt. Dem mit der Regierungsbildung beauftragten Politiker Saad Hariri ist es bislang wegen interner Machtkämpfe nicht gelungen, ein neues Kabinett zu bilden.

Der Libanon steckt seit Monaten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte und braucht dringend ausländische Hilfe. Die Corona-Pandemie und die Explosion haben die Lage weiter verschärft.

fek/dpa/AFP
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