Gasstreit im Mittelmeer Libanon und Israel sprechen wieder über umstrittene Seegrenze

Der Libanon liegt wirtschaftlich am Boden, doch das Land hofft durch ein Grenzabkommen mit Israel auf Gelder aus dem Energiegeschäft. Nun gibt es zwischen den verfeindeten Staaten neue Gespräche unter US-Vermittlung.
Schiff der Uno-Beobachtermission Unifil im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon

Schiff der Uno-Beobachtermission Unifil im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon

Foto: Hussein Malla / AP

Seit Jahrzehnten befinden sich Israel und der Libanon im Kriegszustand. Im vergangenen Sommer kam es sogar zu einem Schusswechsel an der Landgrenze. Nun verhandeln die Staaten dennoch erneut über ihre umstrittene Seegrenze im Mittelmeer.

Delegationen der beiden Länder trafen sich im Hauptquartier der Uno-Truppen im Süden des Libanons, hieß es aus Kreisen der Vereinten Nationen. Es handelt sich bei den Verhandlungen um indirekte Gespräche unter US-Vermittlung.

Hintergrund der Grenzstreitigkeiten sind Gasfelder im Mittelmeer, auf die mehrere Staaten Anspruch erheben. Bei dem Streit zwischen Israel und dem Libanon geht es um mehrere große Gasvorkommen unweit der israelischen Hafenstadt Haifa. Israel will mit der Erschließung der Ressourcen zur Energie-Supermacht aufsteigen.

Die Gespräche über die Seegrenze hatten im vergangenen Oktober begonnen, wurden jedoch ohne greifbare Fortschritte wieder unterbrochen. Medien zufolge vergrößerte die libanesische Delegation bei den Verhandlungen das von ihr beanspruchte Gebiet.

»Die libanesische Position ist geschwächt«

Laut der Nachrichtenagentur AP steht die libanesische Seite aber nicht geschlossen hinter dem Vorstoß. Die Ausweitung der Ansprüche war demnach von der Armee beschlossen worden. »Die libanesische Position ist geschwächt, und es ist wichtig für Israel, den Gesprächen beizutreten, wenn der Libanon in einer solchen Rolle ist«, zitierte AP die libanesische Rohstoffexpertin Laury Haytayan.

Auf die Ausbeutung der Bodenschätze sind die Länder unterschiedlich gut vorbereitet. Israel fördert bereits Gas im Mittelmeer und verkauft es etwa an Ägypten und Jordanien. Zuletzt einigte sich Israel mit Griechenland und Zypern auf ein Grundsatzabkommen für den Bau der Mittelmeer-Gaspipeline Eastmed. Israel will die Pipeline nach Möglichkeit bereits 2025 in Betrieb nehmen.

Der Libanon hatte zuletzt erste Bohrungen durchgeführt und will laut AP in den kommenden Monaten auch Tests in den umstrittenen Seegebieten durchführen.

fek/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.