Bürgerkrieg in Libyen Türkei und Frankreich werfen sich gegenseitig "gefährliches Spiel" vor

Im Libyenkonflikt stehen sich Frankreich und die Türkei indirekt gegenüber. Nun reagiert Ankara auf einen verbalen Angriff aus Paris: Präsident Macron handle "irrational".
Anhänger der libyschen Zentralregierung bejubelt Etappensieg gegen Haftar-Truppen in Tarhouna nahe der Hauptstadt Tripolis

Anhänger der libyschen Zentralregierung bejubelt Etappensieg gegen Haftar-Truppen in Tarhouna nahe der Hauptstadt Tripolis

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STR/EPA-EFE/Shutterstock

Im libyschen Bürgerkrieg unterstützen die Türkei und Frankreich unterschiedliche Seiten - und gehen seit Tagen verbal aufeinander los. Die türkische Regierung hat nun Frankreich ein "gefährliches Spiel in Libyen" und die Unterstützung "illegaler Strukturen" vorgeworfen. Wegen der Unterstützung für den Rebellengeneral Chalifa Haftar trage die Regierung in Paris eine "große Verantwortung für das Chaos, in das Libyen gezerrt" worden sei, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Ankara.

Die türkische Seite reagierte damit auf eine Erklärung des Élysée-Palasts vom Montag, in der Präsident Emmanuel Macron das türkische Engagement in Libyen seinerseits als inakzeptables und "gefährliches Spiel" bezeichnet hatte.

Der türkische Ministeriumssprecher warf Macron vor, "gesunden Menschenverstand" vermissen zu lassen und nannte Frankreichs Handeln "irrational". An Ankara gerichtete Anschuldigungen Macrons nannte der Sprecher "unbegründet". Stattdessen verfolge Frankreich in dem nordafrikanischen Land "selbstsüchtige Interessen".

Haftar-Verbündeter Russland drängt auf Waffenruhe

Ankara steht im Libyenkonflikt an der Seite der von der Uno anerkannten Einheitsregierung in Tripolis. Mit Unterstützung der Türkei starteten die Streitkräfte der Einheitsregierung Anfang des Monats eine Offensive auf die strategisch wichtige Stadt Sirte, die vom abtrünnigen General Haftar gehalten wird. Frankreich wird vorgeworfen, in dem Konflikt Haftar zu unterstützen. Auch Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate stehen hinter ihm.

Im libyschen Bürgerkrieg bekämpfen sich die Einheitsregierung und die Haftar-Streitkräfte, unter deren Kontrolle sich ein Großteil des Südens und Ostens Libyens befinden. Mit Blick auf den Vormarsch der Truppen der Einheitsregierung drohte Ägypten am Wochenende mit einer "direkten Militärintervention". Die Einheitsregierung sprach daraufhin von einer "Kriegserklärung". Russland, das ebenfalls das Lager Haftars unterstützt, forderte am Dienstag eine sofortige Waffenruhe in dem seit 2014 vom Bürgerkrieg zerrissenen Land.

Die Kämpfe waren ursprünglich 2011 in der Folge mehrerer als Arabischer Frühling bekannt gewordener Revolutionen in Nordafrika ausgebrochen, als sich Kräfte im Osten Libyens gegen Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi erhoben. Seitdem befindet sich das Land im Chaos, seit Beginn des Vorrückens der Haftar-Truppen auf Tripolis vor mehr als einem Jahr wurden Hunderte Menschen getötet und rund 200.000 Menschen in die Flucht getrieben.

cht/AFP/dpa