Konflikt in Libyen Kriegsparteien werfen sich gegenseitig Bruch von Waffenruhe vor

Die Feuerpause währte offenbar nur Minuten: Libyens Regierung und Warlord Haftar machen sich gegenseitig für Verstöße verantwortlich, wollen aber weiter am Waffenstillstand festhalten.
Kämpfer der international anerkannten Regierung in Tripolis (Oktober 2019): Kurzlebige Waffenruhe

Kämpfer der international anerkannten Regierung in Tripolis (Oktober 2019): Kurzlebige Waffenruhe

Foto: Ismail Zetouni/ REUTERS

Die Konfliktparteien in Libyen haben sich gegenseitig einen Bruch der seit Mitternacht geltenden Waffenruhe vorgeworfen. Bereits Minuten nach deren Inkrafttreten habe es in zwei Randbezirken in der Hauptstadt Tripolis Verstöße gegeben, teilte die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajez Sarraj mit. Ein Kommandeur der selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA) des Generals Chalifa Haftar erklärte seinerseits, die Regierung habe "mit allen möglichen Waffen, darunter Artillerie, an mehr als einer Front" gegen die Waffenruhe verstoßen.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten jüngst nach einem Treffen in Istanbul eine Waffenruhe angemahnt. Die Türkei unterstützt die Regierung von Sarraj und hat Truppen nach Libyen entsandt. Russland unterstützt dagegen Haftar gemeinsam mit Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Einem Bericht der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, der sich auf eine nicht genannte diplomatische Quelle beruft, sollte Sarraj am Sonntag Erdogan besuchen.

Weiterhin Verpflichtung zur Waffenruhe

Beide Seiten erklärten, sich der Waffenruhe weiterhin zu verpflichten. Die Sarraj-Regierung rief die Uno dazu auf, diese mit ihrer Mission im Land (Unsmil) umzusetzen und Verstöße zu verhindern. LNA-Kommandeur Al-Mabruk Al-Gasawi sagte der Zeitung "Al-Marsad", dass seine Truppen sich der Waffenruhe ebenfalls weiter verpflichtet fühlten.

Haftar kontrolliert weite Teile Libyens. Die Truppen der LNA versuchen seit April, Tripolis einzunehmen, wo die Sarraj-Regierung ihren Sitz hat. Am Montag hatte die LNA erklärt, bei den Kämpfen die Küstenstadt Sirte eingenommen zu haben. In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar Gaddafi 2011 Bürgerkrieg.

asa/dpa