Trotz Widerstand aus Peking Litauen eröffnet Vertretung in Taiwan

Der Druck aus China ist Litauen offenbar egal: Der Baltikumstaat hat in Taiwan ein Büro zur Vertretung seiner Wirtschaftsinteressen aufgemacht.
Paulius Lukauskas aus Litauen

Paulius Lukauskas aus Litauen

Foto: I-HWA CHENG / AFP

Paulius Lukauskas hat seinen Posten als Litauens Repräsentant in Taiwans Hauptstadt Taipeh angetreten. Das bestätigte das taiwanesische Außenministerium.

Litauen hat damit trotz des Drucks aus China die Arbeit in einem Büro zur Vertretung seiner Wirtschaftsinteressen in Taiwan aufgenommen. Der Schritt folgt auf die Einrichtung eines ähnlichen taiwanischen Verbindungsbüros in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Da das Büro »Taiwan« im Namen trägt, hat China einen heftigen Streit vom Zaun gebrochen. Peking sieht darin eine offizielle Anerkennung der demokratischen Inselrepublik.

Als Reaktion hat China seine diplomatischen Beziehungen zu dem EU-Mitglied herabgestuft und Wirtschaftssanktionen verhängt. Eine 28-köpfige Delegation mit Vertretern litauischer Hightechfirmen unter Leitung von Vizewirtschaftsminister Karolis Zematis besucht gegenwärtig Taiwan, um die Zusammenarbeit voranzubringen.

Die kommunistische Führung erhebt einen Machtanspruch auf Taiwan und betrachtet die demokratische Inselrepublik nur als Teil der Volksrepublik. Es lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh entschieden ab, wie sich auch in empörten Reaktionen auf jüngste Besuche von US-Delegationen und europäischen Parlamentariern zeigte.

Parallelen zum Ukrainekrieg befürchtet

Nach dem Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi hatte Peking groß angelegte Manöver um Taiwan aufgenommen (lesen Sie dazu hier ein Interview). Dabei wurden unter anderem eine See- und Luftblockade sowie eine mögliche Eroberung geübt. Auch wurden elf ballistische Raketen gestartet, von denen eine erstmals direkt über Taiwan unweit der Hauptstadt flog. Es war die größte militärische Machtdemonstration seit Jahrzehnten.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Befürchtungen wachsen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen.

als/dpa
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