»Er riskiert, weitere Gewalt zu provozieren« Liz Cheney attackiert in kämpferischer Rede erneut Ex-Präsident Trump

Die Republikanerin Liz Cheney ist eine entschiedene Gegnerin Donald Trumps – und steht deshalb vor einem Ausschluss aus der Führung ihrer Fraktion. Sie warnt vor einer »Bedrohung, wie sie Amerika noch nie gesehen hat«.
Republikanerin Cheney über Donald Trump: »Sie haben nur seine Worte gehört, aber nicht die Wahrheit«

Republikanerin Cheney über Donald Trump: »Sie haben nur seine Worte gehört, aber nicht die Wahrheit«

Foto: Mark Makela / REUTERS

Die Toprepublikanerin Liz Cheney ist innerhalb ihrer Partei zunehmend isoliert. Ihre Kritik an Ex-US-Präsident Donald Trump erzürnt unter anderem den republikanischen Fraktionschef Kevin McCarthy. Er hatte zuletzt in einem Brief an seine Kollegen eine Abstimmung über Cheneys Ablösung vom Posten des »Conference Chair«, die Nummer drei der Fraktion, angekündigt. Diese soll am Mittwoch stattfinden.

Cheney selbst nutzte die letzten Stunden vor ihrer erwarteten Abwahl aus der Fraktionsführung im US-Repräsentantenhaus derweil für eine erneute Kritik an Trump. Sie werde nicht schweigend zusehen, wie sich ihre Partei »dem Kreuzzug des ehemaligen Präsidenten anschließt, um unsere Demokratie zu untergraben«, sagte Cheney am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Ansprache im Kongress und wiederholte damit ihre Worte aus der Vorwoche. Cheney ist die dritthöchste Abgeordnete ihrer Fraktion und würde auch im Fall einer Abwahl aus der Fraktionsführung ihr Abgeordnetenmandat behalten. 

Die 54-jährige Tochter des früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney geht seit Wochen öffentlich gegen Trumps haltlose Behauptung vor, dass er durch Betrug um seine Wiederwahl gebracht worden sei. »Diejenigen, die sich weigern, die Urteile unserer Gerichte zu akzeptieren, stehen auf Kriegsfuß mit der Verfassung«, sagte Cheney nun. »Heute stehen wir einer Bedrohung gegenüber, wie sie Amerika noch nie gesehen hat.«

Cheney warnt vor weiterer Gewalt

Zudem habe Trump mit seinen Behauptungen den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar provoziert, sagte die Republikanerin. Der Ex-Präsident habe nun »seine aggressiven Bemühungen wieder aufgenommen, die Amerikaner zu überzeugen, dass ihm die Wahl gestohlen wurde. Er riskiert, weitere Gewalt zu provozieren.« Millionen Amerikaner seien von Trump in die Irre geführt worden. »Sie haben nur seine Worte gehört, aber nicht die Wahrheit«, sagte Cheney. »Zu schweigen und die Lüge zu ignorieren, ermutigt den Lügner. Daran werde ich mich nicht beteiligen.«

Bereits in der Vorwoche hatte Cheney in einem Gastbeitrag für die »Washington Post«  an ihre Parteikollegen appelliert, sich »von dem gefährlichen und antidemokratischen Trump-Personenkult« abzuwenden. Innerhalb ihrer Partei gibt es jedoch Widerstand gegen den Bruch mit Trump. Cheney ist eine von wenigen Republikanern, die nach dem Sturm aufs Kapitol im Januar für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wegen »Anstiftung zum Aufruhr« stimmten . Dies scheiterte jedoch.

Fraktionschef Kevin McCarthy bekundete zuletzt seine Unterstützung für Cheneys Konkurrentin Elise Stefanik, die sich zuvor hinter Trump gestellt hatte. Die 36-Jährige ist eine loyale Anhängerin des Ex-Präsidenten. Wenn die Republikaner die Demokraten daran hindern wollten, die USA zu »zerstören«, müssten interne Konflikte der Fraktion gelöst werden, schrieb McCarthy.

»Liz Cheney ist eine kriegshetzerische Närrin, die in der republikanischen Parteiführung nichts zu suchen hat.«

Ex-US-Präsident Donald Trump

Auch Trump attackiert Cheney seit Monaten öffentlich. Vergangene Woche schrieb der frühere US-Präsident in seinem Blog: »Liz Cheney ist eine kriegshetzerische Närrin, die in der republikanischen Parteiführung nichts zu suchen hat.«

Seit der Niederlage Trumps gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden bei der Wahl im November tobt ein Richtungsstreit in der Republikanischen Partei. Trump hat seine Niederlage bis heute nicht anerkannt. Sein Lager scheiterte mit Dutzenden Klagen gegen die Wahlergebnisse.

fek/dpa/Reuters
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