Wer wird neuer britischer Premier? Kandidaten für Truss-Nachfolge benötigen Unterstützung von 100 Abgeordneten

Maximal drei Tories können sich auf die Nachfolge von Liz Truss bewerben. Sollten sich die 357 konservativen Abgeordneten dann nicht einigen können, bestimmen die 170.000 Tory-Mitglieder – per Onlinewahl.
Mögliche Truss-Nachfolger Sunak und Johnson: 100 Unterstützerinnen und Unterstützer gesucht

Mögliche Truss-Nachfolger Sunak und Johnson: 100 Unterstützerinnen und Unterstützer gesucht

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Jessica Taylor / UK Parliament / AFP

Liz Truss hat nach nur 45 Tagen im Amt das Handtuch geworfen. Damit geht sie in die Geschichte ein – als Premier mit der kürzesten Amtszeit seit Bestehen der konstitutionellen Monarchie in Großbritannien. Bis Ende Oktober soll feststehen, wer ihren Job übernimmt.

Um sich zur Wahl stellen zu können, müssen Tory-Abgeordnete diesmal eine hohe Hürde überwinden: Mindestens 100 Unterstützerinnen und Unterstützer aus den eigenen Reihen braucht, wer neuer Premier werden möchte. Das erklärte der Tory-Abgeordnete Graham Brady am Abend zur parteiinternen Nachfolgeregelung. Bis Montagmittag können sich die Kandidatinnen und Kandidaten demnach um diese Unterstützung bemühen.

Da es nur 357 konservative Abgeordnete gibt, können somit höchstens drei Kandidaten nominiert werden. Danach müssen sich die Abgeordneten entweder auf zwei Kandidaten einigen, über die die 170.000 Parteimitglieder bis zum 28. Oktober in einer Online-Abstimmung entscheiden – oder sie bestimmen direkt einen Kandidaten, der in die Downing Street einzieht. »Wir haben die Messlatte hoch gelegt, aber es ist für jeden ernsthaften Kandidaten (...) machbar«, erklärte Brady.

Zu den potenziellen Anwärtern auf Truss' Nachfolge zählen der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak, der im Rennen um das Amt zuvor gegen Truss gescheitert war, sowie die ehemalige Innenministerin Suella Braverman, die am Mittwoch zurückgetreten war. Auch Unterhauschefin Penny Mordaunt und Verteidigungsminister Ben Wallace könnten antreten.

Einem Bericht zufolge könnte sogar Boris Johnson ein Comeback-Versuch wagen. Laut der Zeitung »The Times« zieht Truss’ Vorgänger im Namen des »nationalen Interesses« eine Rückkehr in Betracht.

Truss war am Nachmittag nach gerade mal sechs Wochen und einer von ihr befeuerten Regierungskrise als Premierministerin zurückgetreten. Die von Truss’ Regierung geplanten Steuererleichterungen hatten ein Finanzchaos ausgelöst, Truss musste nach öffentlichem Druck das Projekt beenden.

Noch am Mittwoch hatte sich Truss bei der Fragestunde im Parlament trotzig gezeigt, kurz darauf verlor die konservative Regierungschefin mit dem wohl erzwungenen Rücktritt von Innenministerin Suella Braverman jedoch ihr zweites Kabinettsmitglied innerhalb von Tagen.

Truss hatte erst Anfang September die Nachfolge von Boris Johnson angetreten, der nach mehreren Skandalen und Eklats auf Druck der eigenen Partei zurückgetreten war. In ihrer Partei wuchs nach dem Steuerfiasko zunehmend der Unmut und Widerstand gegen sie. Umfragen zufolge liegen die Konservativen etwa 30 Prozentpunkte hinter der oppositionellen Labourpartei.

svs/AFP
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