Lobbyist in der Downing Street Stabschef von Liz Truss ist nicht bei der Regierung angestellt

Mark Fullbrook, der wichtigste Berater der britischen Premierministerin, wird über seine eigene PR-Firma bezahlt. Kritiker vermuten, dass es sich um ein Konstrukt zur Steuervermeidung handelt.
Mark Fullbrook nach einem Treffen in der Downing Street

Mark Fullbrook nach einem Treffen in der Downing Street

Foto: Dominic Lipinski / empics / picture alliance

Der wichtigste Berater der neuen britischen Premierministerin Liz Truss ist nicht bei der Regierung angestellt. Stabschef Mark Fullbrook sei von seiner eigenen PR-Firma abgestellt worden, teilte die zentrale Regierungsbehörde Cabinet Office der Zeitung »Sunday Times«  mit.

Kommentatoren wiesen darauf hin, dass damit unklar ist, wie viel Gehalt Fullbrook bezieht und wem er verpflichtet ist. Regierungskritiker vermuten zudem, dass die Konstruktion der Steuervermeidung dient: Der Einkommenssteuersatz ist in Großbritannien höher als der Unternehmenssteuersatz.

Der 60-Jährige hatte früher hohe Ämter in der Konservativen Partei inne, bevor er sich einem Lobbyunternehmen anschloss. In diesem Jahr machte Fullbrook sich selbstständig und leitete die Wahlkampagne von Truss.

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Das Cabinet Office teilte weiter mit, die Ethikabteilung habe die Personalie geprüft und nicht beanstandet. Dass Regierungsmitarbeiter von anderen Unternehmen abgestellt würden, sei nicht ungewöhnlich. Anfallende Steuern würden an Fullbrooks Unternehmen gezahlt.

Vom FBI befragt

Fullbrook war erst kürzlich infolge eines Bestechungsskandals in Puerto Rico in die Schlagzeilen geraten. Anfang August nahmen Ermittler der US-Bundespolizei FBI die ehemalige Gouverneurin des US-Außengebietes Wanda Vázquez Garced fest. Ihr wird vorgeworfen, 300.000 Dollar vom Banker Julio Herrera Velutini angenommen zu haben – der sich im Gegenzug die Entlassung des Chefs der örtlichen Bankenaufsicht erhoffte.

Im Zuge des Verfahrens befragten die Ermittler auch Fullbrook, der den beschuldigten Banker Herrera Velutini beraten hatte. Fullbrook betonte, er trete im US-Verfahren lediglich als Zeuge auf und arbeite »vollständig und freiwillig mit den US-Behörden zusammen«. Er und der Banker hätten lediglich im Bereich Meinungsforschung miteinander zu tun gehabt.

Fullbrook war zeitweise auch Berater von Boris Johnson. Zu seinen Kunden in den USA gehörte Newt Gingrich, ein Hardliner der Republikaner. Der Banker Herrera Velutini wiederum war in der Vergangenheit Großspender der britischen Konservativen: Laut »Financial Times«  überwies er den Tories in den vergangenen Jahren insgesamt eine halbe Million Pfund.

mpz/dpa
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