»Keine andere Wahl« Londoner Polizeichefin muss gehen

Rassismus, Sexismus und die zögerliche Untersuchung der Lockdownpartys: Die Polizei in der britischen Hauptstadt sorgte in letzter Zeit für viele Eklats. Nun trat die Leiterin der London Metropolitan Police unter großem Druck zurück.
Sie war die erste Frau in diesem Amt: Londons Polizeichefin Cressida Dick

Sie war die erste Frau in diesem Amt: Londons Polizeichefin Cressida Dick

Foto: ANDY RAIN / EPA

Die Chefin der Londoner Polizei, Cressida Dick, hat angesichts mehrerer Skandale ihren Rücktritt erklärt. Nachdem sie das Vertrauen des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan verloren habe, bleibe ihr »keine andere Wahl«, als zur Seite zu treten. Das teilte Dick in einem Statement »mit großem Bedauern« mit. Sie bleibe bis zur Berufung eines Nachfolgers im Amt. Die 61-Jährige war 2017 als erste Frau an die Spitze der London Metropolitan Police berufen worden.

Khan hatte bereits zuvor Zweifel daran geäußert, dass Dick den notwendigen Kulturwandel in der Polizeieinheit auf die richtige Weise angehe. Khan dankte der Beamtin, die 40 Jahre in der Polizei und vier Jahre auf dem Chefinnenposten verbracht hatte, für ihre Dienste. In ihrem Statement gestand die 61-Jährige ein, dass die Polizei viel verloren gegangenes Vertrauen in der Bevölkerung neu aufbauen müsse.

Die Londoner Polizei hatte zuletzt mit Rassismus, Sexismus, Frauenfeindlichkeit und der Ermordung einer jungen Frau durch einen Polizisten viel Aufsehen erregt. Kritisiert wurde die Londoner Polizei auch wegen erst spät eingeleiteter Ermittlungen zu den Lockdownpartys im Regierungsviertel.

Eine unabhängige Untersuchungsbehörde hatte Anfang Februar in einem Bericht auf vielfältige Weise »schockierendes« Verhalten von britischen Polizeibeamten angeprangert. Demnach tauschten Polizisten einer bestimmten Dienststelle im Zeitraum von 2016 und 2018 über WhatsApp und Facebook rassistische, sexistische, homophobe und gewaltverherrlichende Nachrichten aus. Die betroffene Dienststelle wurde inzwischen aufgelöst. Bürgermeister Khan zeigte sich von dem Verhalten der Polizisten »vollkommen angewidert«.

Der Polizist, der im März 2021 eine junge Frau unter einem Vorwand festgenommen, sie anschließend vergewaltigt und getötet hatte, wurde inzwischen aus dem Polizeidienst entlassen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Fall löste eine hitzige Debatte über die Sicherheit von Frauen und die internen Sicherheitsvorgaben der Polizei aus.

atb/AFP/dpa
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