Rücktritt von Bürgermeister-Kandidat Griveaux nach Sexvideo Russischer Künstler Pawlenski von Polizei festgenommen

Der russische Aktivist Pjotr Pawlenski hatte behauptet, Sexvideos des Pariser Bürgermeisterkandidaten Griveaux verbreitet zu haben - jetzt wurde er festgenommen und befragt - allerdings wegen einer anderen Sache.
Der russische Aktionskünstler Piotr Pawlenski am 14. Februar im Büro seines Anwalts in Paris

Der russische Aktionskünstler Piotr Pawlenski am 14. Februar im Büro seines Anwalts in Paris

Foto: LIONEL BONAVENTURE/ AFP

Am Samstag hat die Pariser Polizei den russischen Aktionskünstler Pjotr Pawlenski in Polizeigewahrsam genommen und befragt. Der umstrittene Aktivist hatte behauptet, die am Mittwoch veröffentlichten Sexvideos und anzüglichen Chat-Nachrichten des Pariser Bürgermeister-Kandidaten Benjamin Griveaux ins Netz gestellt zu haben. Nach der Veröffentlichung hatte der Kandidat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für das Pariser Rathaus am Freitag seinen Rückzug erklärt.

Allerdings befragte die Polizei Pawlenski nicht zu dem kompromittierenden Material, sondern zu einer anderen Sache: Hintergrund ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen des Verdachts der Körperverletzung am Silvesterabend 2019. Französische Nachrichtenmedien berichteten, dass Pawlenski während eines Streits in einer Pariser Wohnung ein Messer gezogen habe.

Unterdessen reichte Griveaux nach seinem Rückzieher eine Strafanzeige wegen Verletzung seiner Privatsphäre ein. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, wie die Behörde am Samstag mitteilte.

Auf den kompromittierenden Videos ist zu sehen, wie ein Mann masturbiert - es ist aber nicht zu erkennen, um wen es sich dabei handelt. Griveaux hatte am Freitag gesagt, eine Website und soziale Netzwerke hätten "abscheuliche Angriffe auf meine Privatsphäre verbreitet". Er wolle dies seiner Familie nicht länger zumuten. Er hatte in seiner Erklärung weder bestätigt noch bestritten, dass die Videos und Nachrichten von ihm sind.

Wider die Fassade des treuen Familienvaters

Zu seinem Motiv sagte Aktivist Pawlenski der französischen Zeitung "Libération ", er habe die angebliche Heuchelei Griveaux' offenlegen wollen, der sich als treu sorgender Familienvater inszeniere. Der russische Aktionskünstler hat in der Vergangenheit schon mehrfach mit drastischen Aktionen Protest bekundet. So nähte er sich den Mund zu, wickelte sich in Stacheldraht, schnitt sich ein Ohrläppchen ab. 2013 nagelte er aus Protest gegen die russische Polizei seinen Hodensack an den Roten Platz in Moskau. 2016 befand er sich in psychiatrischer Behandlung.

Der Rückzug von Griveaux hatte in Paris ein Beben ausgelöst. Er erhielt von Parteien aus dem gesamten politischen Spektrum Unterstützung. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sprach von einer "Kampagne der Niedertracht".

Die erste Runde der Kommunalwahlen findet am 15. März statt. Die Hauptstadt hat wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung einen kaum zu überschätzenden Symbolcharakter. Im Rathaus mit Seine-Blick hat derzeit die Sozialistin Anne Hidalgo das Sagen.

kik/dpa/AP/rtr
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