Einem unterernährten Kleinkind wird der Armumfang gemessen

Einem unterernährten Kleinkind wird der Armumfang gemessen

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Dürre auf Madagaskar Die Hungerinsel

Im Süden Madagaskars hat es seit Jahren nicht mehr richtig geregnet. Mehr als eine Million Menschen leiden Hunger. DER SPIEGEL hat sich vor Ort angeschaut, was wir daraus für künftige Krisen lernen können.
Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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Das schwarze Loch verschluckt die Menschen. Mit leeren Eimern verschwinden sie im Dunkel. Minuten später klettern sie wieder empor, gebückt durch die Last auf ihren Schultern. Sie balancieren über selbst gebaute Leitern, 20 Meter Abgrund unter ihnen. Nur hier unten gibt es noch das, was sie am dringendsten brauchen: Wasser. Und Gold.

Ambolamena könnte ein reicher Ort sein, ein sehr reicher sogar. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben praktisch auf dem wertvollen Edelmetall, es kommt überall im Boden vor. Und doch ist das Gold derzeit unerreichbar: Denn ohne Wasser können sie es nicht abbauen. Und so liegt der Schatz in der Erde, während oben die Menschen hungern.

»Wir brauchen einen Investor, der für Wasser sorgen kann«, sagt Goldgräber Martial. »Dann können wir wieder richtig verdienen.« Doch kein Investor kommt in den Süden Madagaskars. Es hat seit mehr als zwei Jahren nicht mehr richtig geregnet, die Region erlebt eine der schlimmsten je aufgezeichneten Dürren. Mehr als eine Million Menschen leiden laut Uno-Welternährungsprogramm (WFP) unter akutem Hunger. Erstmals sind die Folgen so gravierend, dass in einigen Regionen die Stufe fünf erreicht ist: Hungersnot. Die kommt sonst in Kriegs- und Krisengebieten vor, wenn Konfliktparteien den Zugang zu Nahrung abschneiden.

Das WFP nennt die Lage »die erste vom Klimawandel verursachte Hungersnot der Welt« und sorgt damit für weltweite Aufmerksamkeit. Eine Gruppe internationaler Expertinnen und Experten kam vor Kurzem hingegen zu einem anderen Schluss: Die Situation sei durch regional bedingte Wetterschwankungen zu erklären, der Klimawandel spiele vermutlich nur eine untergeordnete Rolle. Für die Bewohnerinnen und Bewohner macht das kaum einen Unterschied.

Die Flussbetten sind ausgetrocknet, in selbst gegrabenen Löchern stoßen die Bewohnerinnen und Bewohner noch vereinzelt auf Wasser

Die Flussbetten sind ausgetrocknet, in selbst gegrabenen Löchern stoßen die Bewohnerinnen und Bewohner noch vereinzelt auf Wasser

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Und unabhängig davon, welche Ursachen dahinterstecken: Madagaskar steht für eine Zukunft, in der Extremwetterereignisse immer häufiger werden. Der afrikanische Kontinent ist besonders stark betroffen – dabei ist die Bevölkerung dort am stärksten darauf angewiesen, zuverlässig ernten zu können. Und so stellt sich in Madagaskar die Frage, die eine der wichtigsten dieses Jahrhunderts werden wird: Wie weiterleben, wenn das eigene Land in weiten Teilen unbewohnbar geworden ist?

Dicht an dicht sitzen die Erwachsenen auf dem blanken Betonboden, die Kinder liegen zwischen ihnen, die meisten schlafen. Es ist nicht ganz klar, welchen Namen man dieser Gruppe geben soll: Geflüchtete? Vertriebene? Sie haben ihre Heimat nicht wegen eines Krieges oder politischer Unterdrückung verlassen, sondern wegen des ausbleibenden Regens.

Als die Ersten an Hunger gestorben seien, hätten sie den Entschluss gefasst zu gehen – Hanasoa und eines ihrer fünf Kinder

Als die Ersten an Hunger gestorben seien, hätten sie den Entschluss gefasst zu gehen – Hanasoa und eines ihrer fünf Kinder

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

»Wir sind gegangen, als die Menschen in meiner Familie anfingen zu sterben«, erzählt die junge Mutter Hanasoa. Zuerst habe es die Alten und die kleinen Kinder getroffen, sechs Monate sei das jetzt her. Gestorben an Erschöpfung, an Hunger und Durst. »Selbst wenn wir etwas zu essen hatten – es gab kein Wasser, um es zuzubereiten«, erinnert sich die 25-jährige. Und so fiel schließlich die Entscheidung zu gehen. »Es ist das Land unserer Ahnen, unzählige Generationen haben dort gelebt. Es hat mir das Herz gebrochen, von dort zu fliehen. Aber wir mussten das Leben unserer Familien schützen«, sagt Hanasoa.

Sie zogen in die nächstgrößere Stadt, nach Ampanihy. Hier schlagen sich die Männer nun als Wasserhändler durch, sie befüllen gelbe Kanister an Brunnen und selbst gegrabenen Wasserlöchern und verkaufen den Inhalt von ihren kleinen Holzwagen aus. Doch das Einkommen reicht nicht, um über die Runden zu kommen. »Wir haben eine Büchse Reis pro Tag, und zwar für sieben Familienmitglieder«, erzählt Hanasoa. Während sie redet, dösen die Kinder vor sich hin. Gelacht oder gespielt haben sie schon lange nicht mehr, die Freude raubt der Hunger zuerst.

Seit mehr als zwei Jahren hat es nicht mehr richtig geregnet im Süden Madagaskars

Seit mehr als zwei Jahren hat es nicht mehr richtig geregnet im Süden Madagaskars

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

90 Prozent der Menschen hier im Süden der viertgrößten Insel weltweit leben unter der Armutsgrenze, ein globaler Spitzenwert. Der Norden Madagaskars, die grünen Touristeninseln, sind weit weg – auch die Regierung lässt sich hier kaum blicken. Die Gegend wurde über Jahrzehnte vernachlässigt, die Straßen sind kaum mehr existent, Subsistenz-Anbau ist für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner die einzige Art zu überleben. Die Region hat ein Halbwüstenklima, die Trockenzeiten sind lang und unerbittlich. Dürren sind eigentlich nichts Ungewöhnliches.

Die Dürre hat hier sogar einen eigenen Namen, man hört ihn überall: »Kere«. Doch dieses Mal ist die Kere anders, ein Ereignis, wie es statistisch gesehen nur alle 135 Jahre auftritt – und trotzdem seit 1990 zum zweiten Mal vorkommt. Gerade jetzt wäre die Zeit zu säen, die Dezemberregen sollten Erlösung bringen. Es tröpfelt zwar hin und wieder, nachts kommt auch mal ein Guss, doch für die Samen reicht es nicht. Die meisten Felder liegen brach. Und selbst wenn plötzlich der Regen kommt: Viele haben ihren letzten Cent für Essen ausgegeben, sie stehen nun ohne Saatgut da. Ein Teufelskreis des Hungers.

Hier sollte eigentlich ein Feld sein – doch ohne Regen können die Bauern nicht säen

Hier sollte eigentlich ein Feld sein – doch ohne Regen können die Bauern nicht säen

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

»Das ist verheerend. Ich habe schon viel gesehen in den vergangenen drei Jahrzehnten, aber das hat mich doch überrascht«, sagt WFP-Notfallkoordinator Hans Vikoler. Und er ist sich selbst nicht so sicher, ob er nicht auch Teil des Problems ist.

Es ist ein verstörendes Bild: Auf dem Dorfplatz sitzen auf einer Art Zeltplane aufgereiht Mütter mit ihren Kindern im Arm, an den Schultern sieht man jeden einzelnen Knochen. Die Kinder schauen apathisch, sie reagieren nicht auf Reize von außen. Dann kommen die großen weißen WFP-Autos mit den riesigen Antennen vorgefahren, eine Gruppe Frauen fängt an zu tanzen. »WFP ist wundervoll«, singen sie. Doch die Freude hält nicht lange, zumindest nicht bei allen.

»Der richtige langfristige Ansatz ist bestimmt nicht die Gratisverteilung von viel humanitärer Hilfe, wie wir es hier machen«, sagt Hans Vikoler resigniert. Bisher haben sie ihr klassisches Repertoire abgespult: Essensrationen für die Bedürftigsten, dazu bedingungslose Bargeldzahlungen für Zehntausende Betroffene. Doch wie lange kann ein Notfall anhalten? Zwei Jahre, drei Jahre, zehn Jahre? Wie lange kann die madagassische Regierung weiter Hilfsgelder in Millionenhöhe kassieren, während sie den Süden des Landes hungern lässt?

»Es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie wir zu nachhaltigeren Lösungen übergehen können«, sagt auch die WFP-Landesdirektorin Pasqualina Disirio. Doch sie räumt ein: »Es ist deutlich schwieriger, für solche Vorhaben Gelder einzuwerben.« An den weißen Autos der zahlreichen internationalen Nothelfer in Madagaskar klebt oft die EU-Flagge, sponsored by European Union. Zynisch könnte man sagen: Die großen Geldgeber aus dem globalen Norden geben schneller Geld, wenn es Fotos von Kindern mit Hungerbäuchen gibt, als für ein Projekt, das diesen Hunger gar nicht erst entstehen lassen will.

Sija Fanomeza kann dank Bargeldauszahlung wieder Essen für ihre Familie kochen – eine dauerhafte Lösung ist das nicht

Sija Fanomeza kann dank Bargeldauszahlung wieder Essen für ihre Familie kochen – eine dauerhafte Lösung ist das nicht

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Dass die Hilfe gebraucht wird, daran haben nur die wenigsten Zweifel. Doch es bleibt die Frage, welche Art von Hilfe die richtige ist. Eine Frage, die sich auch Jean-Louis Rault von der deutschen Welthungerhilfe stellt. Die Organisation verteilt im Süden Madagaskars Bargeld an besonders betroffene Haushalte. »Ich bin mir nicht sicher, ob wir langfristig hier irgendetwas Positives erreichen«, sagt Rault. »Wir halten die Leute nur am Leben.«

In einer kleinen Holzhütte wohnt die 27-jährige Sija mit ihren fünf Kindern. Auch sie hat Geld von der Welthungerhilfe bekommen. »Ohne das Geld würde unser Leben noch schlimmer aussehen, wir hätten gar nichts«, sagt sie. Nun könnten sie wieder Wasser kaufen und zweimal am Tag essen. Doch wie soll es weitergehen? »Früher habe ich Holzkohle hergestellt und verkauft«, erzählt Sija, »doch jetzt bin ich zu müde dafür.« Dann entspinnt sich eine spannende Szene: »Du machst es nicht mehr, weil du jetzt Hilfe bekommst?«, fragt eine Mitarbeiterin der Welthungerhilfe. Sija grinst nur, sie muss gar nicht weiter antworten.

Die Hilfsorganisationen retten Leben, das steht außer Frage. Doch das System ist am Limit. Die Situation bleibt aussichtslos. Die Welthungerhilfe will nun Brunnen bohren und reaktivieren, um nachhaltiger zu helfen. Der technische Aufwand ist jedoch enorm: Immer tiefer muss gegraben werden, um auf das kostbare Wasser zu stoßen, teils Dutzende Meter. Außerdem möchte die deutsche Organisation künftig neuartige Vorhersagemodelle anwenden, die bevorstehende Dürren frühzeitig erkennen können – und Hilfsgelder schon freigeben, bevor der Hunger da ist.

In Lafibato kommt die Lösung für die Krise aus einer Holzkiste. Sie hat drei Vorhängeschlösser, die Schlüssel sind bei drei verschiedenen Menschen verstaut. Man weiß ja nie. Viel Geld lagert in dieser Holzkiste. Mahavotse heißt das Projekt, übersetzt »Es kann dich retten«.

Gemeinschaftssparen in Lafibato – eine Art basisdemokratische Sparkasse

Gemeinschaftssparen in Lafibato – eine Art basisdemokratische Sparkasse

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Die Idee ist simpel und wird in ähnlicher Form auch in anderen Ländern angewandt: Eine Gruppe von Dorfbewohnerinnen und -bewohnern spart gemeinschaftlich, jede Woche legen sie so viel in die Box, wie sich jeder und jede gerade leisten kann. Heute ist wieder Einzahltag, ein Dutzend Frauen sitzt im Kreis um die Kiste, eine Person zählt zunächst den Inhalt. 446 Euro sind inzwischen zusammengekommen, in dieser Gegend ein Vermögen.

Dann folgt ein festes Ritual: Die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaftsbank dürfen einen Kredit beantragen. Dafür stellen sie ihren Plan vor, anschließend stimmen alle ab. Ist die Mehrheit dafür, wird das Geld ausgezahlt. Jeder darf höchstens dreimal so viel bekommen, wie sie oder er bisher eingezahlt hat. Eine Art basisdemokratische Sparkasse. Seit einem Jahr machen sie das nun so, es ist ihr Weg aus der Krise.

Tsifosainy hat dank des Gemeinschaftssparens nun einen kleinen Garten – für ein Einkommen reicht es aber noch nicht

Tsifosainy hat dank des Gemeinschaftssparens nun einen kleinen Garten – für ein Einkommen reicht es aber noch nicht

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Tsifosainys Kredit ist grün geworden. In einem kleinen Beet sprießen die Früchte ihres Sparens aus dem Boden. Sie hat von dem ausgezahlten Geld Samen gekauft und Material für einen Zaun. Eigentlich hatte sie Großes vor: genug Gemüse anzupflanzen, um es auf dem Markt zu verkaufen, ein regelmäßiges Einkommen zu erzielen. Doch dann obsiegte der Hunger: »Ich habe mein Projekt aufgegessen«, sagt die 60-Jährige. Immerhin einen kleinen Teil ihrer Ernte hat sie aufgehoben, um von dem Verkauf den Kredit zurückzuzahlen, das ist Ehrensache. Lieber ein grummelnder Magen als Schande im Dorf.

Auch wenn aus dem Geschäftsplan nichts geworden ist, für Tsifosainy war das Projekt trotzdem ein Erfolg. »Es hat mich am Leben gehalten«, sagt sie. Ohne von Essensspenden der großen Organisationen abhängig zu sein. Inzwischen teilt sie sich das Beet mit mehreren anderen Dorfbewohnerinnen, jede hat eine kleine Fläche und einen festen Wochentag zum Gießen, sonst reicht das Wasser nicht. Immerhin: Die neue Ernte wächst schon wieder.

Zaimena konnte von dem Kredit sogar einen kleinen Laden eröffnen, er macht seit Kurzem Gewinn

Zaimena konnte von dem Kredit sogar einen kleinen Laden eröffnen, er macht seit Kurzem Gewinn

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Andere haben sich von den Krediten aus der Gemeinschaftsbank Rinder gekauft, einen Shop aufgebaut oder ein Café. Viele Projekte sind gescheitert, manche geglückt. In anderen Ländern des südlichen Afrikas hat sich gezeigt, dass solche Mikrokredite oft zu Überschuldung führen. »Aber nur wenn wir zusammenhalten, können wir hierbleiben«, sagt Tsifosainy. »Allein würden wir es nicht schaffen. Und ich will hier nicht weg.«

Am Faux Cap, ganz im Süden der Insel, weht ein heftiger Wind. Er bläst den Sand in Augen und Mund, und er lässt die Häuser verschwinden. Tolisoa, der Dorfälteste, steht auf einer Düne und zeigt nach unten. »Dort war unser Dorf«, sagt er. »Der Sand hat sogar unsere Gräber verschluckt. Dreimal mussten wir jetzt schon umziehen. Wir haben alles verloren.« Es war hoffentlich das letzte Mal.

Die Dünen sind grün geworden, die Erosion ist gestoppt

Die Dünen sind grün geworden, die Erosion ist gestoppt

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Denn mithilfe einer katholischen Hilfsorganisation, dem Catholic Relief Service, haben sie die sandige Dünenlandschaft in ein grünes Karomuster verwandelt. Sisal- und Rankpflanzen stabilisieren den Boden und verhindern weitere Erosion. Das Sisal wiederum können sie ernten, verarbeiten und zu Geld machen oder selbst als Baumaterial nutzen.

Bienen haben seit der Pflanzaktion die Dünen bevölkert, der Honig ist eine weitere Einnahmequelle. »Wir haben hier im Dorf zuerst Nothilfe geleistet«, sagt Tolotra Tsiarena vom Catholic Relief Service. »Doch dann haben wir langfristige Maßnahmen entwickelt, und es hat sich gelohnt.« Unten, am Fuße der Dünen, haben sie jetzt Felder hergerichtet, geschützt vor Wind und Wetter. »Jetzt sind wir immerhin vorbereitet, wenn der Regen kommt«, sagt der Dorfälteste Tolisoa. Doch der Regen kommt nicht.

Farmer Tognesoa hat seine Felder aufgeteilt, pflanzt jetzt dürreresistente Sorten

Farmer Tognesoa hat seine Felder aufgeteilt, pflanzt jetzt dürreresistente Sorten

Foto: Njaka Rajaonisaona / DER SPIEGEL

Aber das Konzept der Dünen wird bereits kopiert. Ein paar Hundert Meter entfernt hackt Farmer Tognesoa in den trockenen sandigen Boden seines Feldes, mit jedem Hieb staubt es mehr. Er hat jetzt einen Windschutz um sein Feld gebaut, ganz nach dem Vorbild der Dünen. Und nicht nur das: Tognesoa hat seine Farm aufgeteilt, pflanzt nun statt Mais auf kleineren Flächen verschiedene Sorten an, die weniger Feuchtigkeit brauchen.

Wenn die Ernte einer Sorte ausfällt, hat er immer noch einen Plan B oder C. Süßkartoffeln sprießen bereits aus dem Boden, auch wenn sie noch mickrig sind. Immerhin genug, um die Kinder an einigen Tagen satt zu bekommen. »Doch wenn es nicht bald regnet, werden auch diese Pflanzen sterben. Es ist, als hätte Gott uns aufgegeben«, sagt Tognesoa.

Auch das Uno-Welternährungsprogramm versucht, Bauern zu überzeugen, ihr Saatgut der Trockenheit anzupassen. Es ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, doch oft der einzige Ausweg. Denn die Organisation geht davon aus, dass durch den Klimawandel die Bedingungen im Süden Madagaskars dauerhaft schwierig bleiben werden.

»Die Leute sollten da ansiedeln, wo sie bessere Voraussetzungen vorfinden«, sagt die Landesdirektorin Pasqualina Disirio, »und wir sollten nur da investieren, wo die Bedingungen auch wirklich aussichtsreich sind.« Sie träumt von einer Art Israel Afrikas, mit künstlicher Bewässerung und Industrie. Ein Traum, der ziemlich weit weg scheint.

So ist Madagaskar ein Lehrstück für den Rest der Welt: Wie lässt es sich leben, wenn Extremwetterereignisse immer häufiger vorkommen, wenn das Land unfruchtbar wird? Viel Zeit bleibt nicht, um Lösungen zu finden.

Mitarbeit: Ange Peers

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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