»20 bis 30 Personen in Uniformen« Bundeswehr entdeckt offenbar russische Einsatzkräfte auf Flughafen in Mali

Frankreich zog am Montag seine Armee aus Mali ab, noch am gleichen Tag trafen wohl russische Einsatzkräfte auf einer Militärbasis ein. Deutsche und britische Soldaten beobachteten die Einheiten beim Entladen eines Flugzeugs.
Soldat in der malischen Stadt Gao

Soldat in der malischen Stadt Gao

Foto: Nicolas Remene / Le Pictorium / IMAGO

Mali kooperiert nach dem Abzug der französischen Truppen am Montag immer unverhohlener mit Russland.

Laut einem Schreiben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr an den Verteidigungsausschuss und den Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, das dem SPIEGEL vorliegt, sind nur Stunden nach Ende des französischen Einsatzes auf dem Flughafen Gao in Mali russische Soldaten aufgetaucht. Auf jenem Flughafen also, der unmittelbar an das Camp Castor grenzt, wo sich die meisten der rund 1100 in Mali stationierten Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten aufhalten.

Laut Einsatzführungskommando sind von deutschen und britischen Kräften der Uno-Mission Minusma am Montag gegen elf Uhr auf dem Flughafengelände »20 bis 30 Personen in militärischen Uniformen« gesichtet worden. Sie hätten nicht den malischen Streitkräften zugeordnet werden können. Es handle sich »nahezu sicher« um Angehörige der russischen Sicherheitskräfte, heißt es in dem Schreiben.

Demnach seien zwei Kampfjets auf dem Flugfeld und in einem Hangar entdeckt worden, darunter eines vom Typ L-39 Albatros. »Flugzeuge vom Typ L-39 Albatros wurden in der letzten Woche öffentlichkeitswirksam von Russland an die malischen Streitkräfte übergeben«, heißt es von der Bundeswehr. Man gehe davon aus, dass der Betrieb der L-39 nicht durch malisches Personal erfolgen könne und deshalb durch russische Einheiten übernommen werden müsse. Welche Aufgaben die russischen Kräfte in Gao übernehmen sollten, sei jedoch unbekannt.

Verteidigungsministerium bestätigt ausländische Truppenpräsenz in Gao

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage das Eintreffen eines »Trainings- und Erdkampfflugzeugs vom Typ L-39 der malischen Streitkräfte«, bei dem es sich möglicherweise um den von Russland übergebenen Jet handele. Auch habe man Kenntnis von den mehreren Dutzend Kräften, die nicht der malischen Armee zugeordnet werden könnten. Die Berichte würden derzeit »intensiv mit dem Kontingent sowie unseren Partnern geprüft«, hieß es.

Die neuen Entwicklungen lösten in der Bundesregierung Besorgnis aus. Dadurch verändere sich das Missionsumfeld, hieß es am Dienstag im Auswärtigen Amt. Man sehe die Anwesenheit russischer Kräfte in Gao kritisch und sei im Austausch mit der malischen Regierung und den Vereinten Nationen um die Klärung der Hintergründe bemüht.

Das Haus von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) wirbt bislang vehement für eine Fortsetzung des deutschen Engagements im westafrikanischen Mali. Deutschland ist größter Truppensteller der Uno-Mission Minusma. Allerdings steht die deutsche Präsenz nach zahlreichen Schikanen durch die malische Militärregierung derzeit auf der Kippe.

Dem Schreiben des Einsatzführungskommandos zufolge ist die Operationsführung des deutschen Einsatzkontingents durch die russische Präsenz »zurzeit« nicht betroffen. In der Bundesregierung hat man keine Hinweise darauf, dass die Russen für den Betrieb und die Sicherung des Flughafens eingesetzt werden sollen. Ein solcher Schritt würde wohl das Ende der Minusma-Mission besiegeln.

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, mahnt zur Besonnenheit: »Es ist nicht wirklich überraschend, was in Mali zu beobachten ist«, sagte die FDP-Politikerin dem SPIEGEL. »Russland wird versuchen das Vakuum zu füllen, das die westlichen Staaten durch ihren Abzug aus Mali entstehen lassen. Daher muss jeder Schritt seitens unseres Engagements im Rahmen von Minusma wohlüberlegt sein.«

Kritik von der Opposition

Die Opposition wirft der Bundesregierung hingegen Lavieren vor: »Innerhalb der Ampel gibt es keine klare Linie im Umgang mit der schwierigen Lage in Mali, sondern nur unabgestimmte Positionen des Verteidigungsministeriums und des Auswärtigen Amtes«, sagte Henning Otte (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, dem SPIEGEL. »Die Regierung muss endlich konkrete Bedingungen an die malische Regierung stellen, unter denen der ausgesetzte Einsatz möglicherweise wieder aufgenommen werden könnte oder ganz aufgegeben werden müsste«, so Otte.

Dazu, welche Ziele die malische Militärregierung mit der russischen Unterstützung verfolgt, gibt es bei der Bundeswehr Vermutungen. Die malischen Streitkräfte wollten ihr Operationsgebiet im Nordosten des Landes weiter ausweiten, heißt es in dem Bericht. Die einst von Frankreich besetzten Feldlager sollen demnach direkt übernommen werden.

Frankreich hatte seine Antiterrormission »Barkhane« am Montag nach mehr als neun Jahren beendet und auch die letzten verbliebenen Soldaten in den benachbarten Niger verlegt. An der »Opération Barkhane« waren zeitweise bis zu 4500 französische Soldaten beteiligt. Die seit 2020 in Bamako herrschende Militärjunta hatte Frankreich zum Abzug seiner Soldaten gedrängt.

Neuer Rotationsflug am Donnerstag geplant

Parallel dazu läuft in dem Land die Uno-Mission Minusma, bei der auch Bundeswehr-Truppen im Einsatz sind. Angesichts zunehmender Spannungen mit der Junta in Bamako steht der deutsche Einsatz jedoch vor dem Aus . Die malische Militärregierung hatte die Partner der Mission und auch die deutschen Einheiten zuletzt immer wieder schikaniert und Überflugrechte verweigert. Damit wurde etwa in der vergangenen Woche die Verlegung von Bundeswehrpersonal in den Norden des Landes verhindert.

Für diesen Donnerstag ist erneut ein Rotationsflug der Bundeswehr geplant. Noch steht nicht fest, ob er diesmal wirklich stattfindet.

fek/mgb/kor
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.