Frankreich, die Bundeswehr – und jetzt die Russen Die verschiedenen Militärmissionen in Mali

Im westafrikanischen Krisenstaat Mali laufen viele Militärmissionen gleichzeitig, auch unter deutscher Beteiligung. Der Überblick.
Französische Soldaten in Mali (Archivaufnahme)

Französische Soldaten in Mali (Archivaufnahme)

Foto: THOMAS COEX / AFP

Nach der Entscheidung Frankreichs zum Abzug von Truppen aus Mali lässt die Bundesregierung die Zukunft der deutschen Militäreinsätze dort offen. Der französische Schritt werde »auch Auswirkungen auf das gemeinsame internationale Engagement haben, dazu stimmen wir uns eng mit unseren Partnern ab«, sagte Außenstaatsministerin Katja Keul (Grüne). Das Ziel der Einsätze bleibe bestehen – »nämlich dass wir die Sicherheit der Menschen und die Stabilität der Region verbessern wollen«, erklärte sie. Zu klären sei nun aber die Frage, »ob und wie wir diese Ziele erreichen können«.

In dem westafrikanischen Krisenland engagieren sich Dutzende Staaten in verschiedenen Militärmissionen. Die Bundeswehr beteiligt sich an zweien von ihnen. Allerdings waren weder der Kampf gegen dschihadistische Gruppen noch der Aufbau einer malischen Armee bislang erfolgreich. Das Land hat zudem seit anderthalb Jahren keine gewählte Regierung mehr.

Ein Überblick über die bisherigen Missionen:

Frankreichs Operation Serval (2013–2014)

Auslöser der ausländischen Militäreinsätze in Mali war der Zustrom von Waffen und Kämpfern in Folge des Bürgerkriegs in Libyen. Als separatistische Tuareg und dschihadistische Kämpfer gegen die Regierung in Bamako rebellierten, entsandte der französische Präsident François Hollande im Januar 2013 Soldaten. Es wurde Frankreichs größter Einsatz in Afrika seit Ende der Kolonialzeit. Die Bundeswehr entsandte Transportflugzeuge und leistete logistische Unterstützung.

Frankreichs »Operation Barkhane« (seit 2014)

Unter dem neuen Namen Barkhane sollten die französischen Soldaten dschihadistische Gruppen in Mali und den Nachbarländern bekämpfen. Zeitweise waren 5500 Soldaten im Einsatz. Im Rahmen dieses Einsatzes nutzte Frankreich erstmals bewaffnete Drohnen. Die französischen Soldaten unterstützten den Uno-Einsatz und die EU-Ausbildungsmission, ließen sich aber nicht darin einbinden. Am Donnerstag verkündete Frankreich den Abzug der an Barkhane beteiligten Soldaten.

Uno-Mission Minusma (seit 2013)

Die Friedensmission der Vereinten Nationen sollte zur Stabilisierung des Landes beitragen, wurde aber schnell zum Angriffsziel dschihadistischer Gruppen. Die Zahl der Soldaten ist auf 15.000 angestiegen. Die Bundeswehr ist mit derzeit etwa tausend Soldaten beteiligt, die Obergrenze liegt bei 1100. Mit etwa 250 getöteten Einsatzkräften ist Minusma derzeit die verlustreichste Uno-Mission.

EU-Ausbildungsmission EUTM (seit 2013)

An dem Einsatz zur Ausbildung der regionalen Streitkräfte ist die Bundeswehr zurzeit mit etwa 300 Soldaten beteiligt. Im ersten Jahr hatten Franzosen die Leitung inne. Im vergangenen Jahr waren mehr als zwei Dutzend Nationen mit insgesamt etwa tausend Soldaten beteiligt. Die Ausbildung fand unter anderem an der malischen Offiziersschule in Koulikoro statt, wurde aber wegen der Coronapandemie stark zurückgefahren.

Europäische Taskforce Takuba (seit 2020)

Auf Druck von Frankreich einigten sich mehrere europäische Länder auf einen gemeinsamen Einsatz in Mali, unter ihnen Estland, Rumänien und Schweden. Der Einsatz steht unter dem Kommando Frankreichs, Deutschland ist nicht beteiligt. Macron sah in Takuba ein Beispiel für eine gemeinsame europäische Verteidigung. In den vergangenen Wochen hatte die malische Militärjunta zunehmend den Einsatz der etwa 800 Mann starken Taskforce behindert, etwa durch die Ausweisung des dänischen Kontingents.

Am Donnerstag kündigten Paris und seine europäischen Partner den Beginn des Abzugs der an der Takuba-Mission beteiligten Soldaten an. Als Grund für die Entscheidung nannte der Élysée-Palast die Verschiebung der Wahlen in Mali und »zahlreiche Behinderungen« durch die Militärjunta.

Russische Militärberater (seit 2021)

Die malische Militärjunta hat nach eigenen Angaben russische Militärberater ins Land geholt, die unter anderem den von den Franzosen verlassenen Militärstützpunkt in Timbuktu übernommen haben. Nach französischen Informationen sind darunter mindestens tausend Söldner der privaten, dem Kreml nahestehenden Wagner-Gruppe. Diese waren bereits von der Zentralafrikanischen Republik zum Schutz der Regierung engagiert worden und hatten sich dafür im Gegenzug an den Bodenschätzen bereichert. Ihre Präsenz ist einer der Gründe für den angekündigten Rückzug der europäischen Soldaten.

als/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.