Zwei Personen in Gewahrsam Festnahmen nach Verschwinden von deutschem Pater in Mali

Seit Tagen fehlt in Mali jede Spur von Hans-Joachim Lohre – eine Entführung des deutschen Geistlichen wird befürchtet. Zuletzt meldeten die Behörden in dem Sahelstaat einen Fahndungserfolg.
Bundeswehreinsatz in Mali (2018)

Bundeswehreinsatz in Mali (2018)

Foto: Seyllou / AFP

Nach dem Verschwinden eines deutschen Paters hat es in Mali zwei Festnahmen gegeben. »Im Zuge der Ermittlungen wurden zwei Menschen festgenommen«, sagte ein Polizeivertreter in der Hauptstadt Bamako am Donnerstag. Die Verdächtigen hätten die Nacht auf der Polizeiwache verbracht, erklärte er, ohne Angaben zu ihrer Verbindung zu dem Fall oder zu möglichen Motiven zu machen.

Es deute immer mehr darauf hin, dass Hans-Joachim Lohre entführt worden sei, fügte der Beamte hinzu. Auch der Erzbischof von Bamako, Jean Zerbo, sagte, die lange Abwesenheit des Paters deute auf eine Entführung hin.

Lohre war zu einer Messe, die er am Sonntag halten sollte, nicht erschienen, wie die Kirche mitteilte. Seitdem wird er vermisst. Lohre lebt seit rund 30 Jahren in Mali. Sein Auto war vor seinem Haus geparkt, an seinem Mobilfunktelefon ging der Anrufbeantworter dran. »Wir suchen nach einem verdächtigen Fahrzeug, das sich in der Gegend befand«, hieß es aus Lohres Umfeld.

Der Deutsche unterrichtet am Institut für christlich-islamische Bildung in Bamako. Zudem ist er auch für ein Glaubens- und Begegnungszentrum in der Stadt verantwortlich. Lohre glaube fest daran, »dass ein friedliches Zusammenleben der Religionen möglich ist«, erklärte ein Mitarbeiter der Einrichtung.

In der Vergangenheit gab es in dem afrikanischen Land immer wieder Entführungen christlicher Geistlicher. In Mali versuchen islamistische Milizen seit rund zehn Jahren, das Land zum Aufmarschgebiet des Dschihadismus zu machen. Sozial und ethnisch aufgeladene Konflikte verschärfen die Instabilität.

Abzug der deutschen Truppen steht fest

Die Bundeswehr ist bisher mit etwa 1200 Soldaten an der Uno-Mission Minusma in dem Sahelstaat beteiligt. Der Uno-Einsatz in Mali gilt als der momentan gefährlichste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Nun steht die deutsche Beteiligung vor dem Ende. In dieser Woche einigten sich nach SPIEGEL-Informationen  Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und Entwicklungsministerin Svenja Schulze (beide SPD) auf einen Abzug der Bundeswehr bis Mai 2024.

Unumstritten ist die Entscheidung auch innerhalb der Regierungsparteien nicht. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Agnieszka Brugger, sieht in dem Abzug ein Versagen europäischer Politik. »Die europäischen Regierungen haben es leider einmal mehr versäumt, eine gemeinsame Außenpolitik zu gestalten«, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Stattdessen hat sich eine Reihe unserer Partner im Alleingang ohne eine echte gemeinsame strategische Ausrichtung sehr schnell aus der Mission verabschiedet. Solche Fehler dürfen sich nicht wiederholen«, so Brugger.

Frankreich hat seine Truppen bereits abgezogen, Großbritannien will dem folgen.

jok/AFP
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