Putschversuch in Westafrika Malis Staatschef Keïta festgenommen

In Mali ist ein gewaltsamer Umsturz im Gange: In dem westafrikanischen Land sind Präsident Keïta und Premierminister Cissé von meuternden Militärs festgesetzt worden. In der Hauptstadt Bamako brach Jubel aus.
Ibrahim Boubacar Keïta

Ibrahim Boubacar Keïta

Foto: MICHELE CATTANI / AFP

Malis Staatschef, Präsident Ibrahim Boubacar Keïta, ist von bewaffneten Aufständischen festgenommen worden. Das melden zunächst die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP übereinstimmend. Mittlerweile haben diplomatische Vertreter der Afrikanischen Union (AU) und weitere Länder die Festnahme bestätigt.

Laut AU und der Nachrichtenagentur AFP sollen auch Premierminister Boubou Cissé sowie weitere Regierungsmitglieder von den Aufständischen festgenommen worden sein. Wer genau hinter dem Umsturzversuch steckt, ist bislang jedoch ungewiss.

Der Aufstand hatte am Dienstagmorgen im Armeestützpunkt Kati nördlich der Hauptstadt Bamako begonnen. Dort waren Schüsse zu hören, dann wurden Arsenale geöffnet und Waffen verteilt. Von dort sollen dann Pick-ups mit Bewaffneten ins Zentrum der Hauptstadt gefahren sein, meldet unter anderem der französische Auslandssender Radio France International (RFI) .

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Auf dem Platz der Unabhängigkeit in der Hauptstadt versammelten sich schon im Laufe des Tages Demonstranten und forderten ein Ende von Keïtas Herrschaft. Viele von ihnen jubelten über erste Putschgerüchte. Die Lage ist aber noch unübersichtlich.

Die jubelnden Einwohner Bamakos fordern, der Präsident solle verschwinden

Die jubelnden Einwohner Bamakos fordern, der Präsident solle verschwinden

Foto: STRINGER / REUTERS

In einem Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, ist eine Wagenkolonne zu sehen, in der sich auch Präsident Keïta befinden und der von Soldaten umringt ist. Zeit, Ort und Umstände der Aufnahme aber bislang nicht zu verifizieren.

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Ein Militärvertreter erklärte laut AFP, der Präsident und der Regierungschef würden nach Kati gebracht. 2012 hatte der Stützpunkt eine Schlüsselrolle bei einem Machtwechsel im Land gespielt. Dort begann damals ein Militärputsch, in dessen Folge Präsident Keïta an die Spitze der politischen Führung kam.

Westafrikanische Staatengemeinschaft verurteilt Putschversuch

Der westafrikanische Staatenverbund Ecowas verurteilte die Meuterei am Abend und rief zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung auf. Die Militärs sollten unverzüglich in ihre Kasernen zurückkehren. Der Staatenverbund verurteile jeden nicht der Verfassung entsprechenden Regierungswechsel "aufs Schärfste".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am frühen Abend der versuchten Umsturz ebenfalls verurteilt. Reuters meldete unter Bezug auf eine Quelle im Elysée-Palast, Macron habe mit Keïta und den Staatschefs der Elfenbeinküste, Senegals und Nigers telefoniert. Der französische Präsident unterstütze Vermittlungsversuche für eine Lösung der Krise in Mali, hieß es weiter.

Große ausländische Militärpräsenz, aber keine Sicherheit

Mali steckt seit Langem in einer schweren politischen Krise: Bereits seit Wochen ruft die Opposition immer wieder zu Protesten gegen die Regierung auf. Keïta reagierte mit Härte, mehrere Oppositionsführer wurden verhaftet.

Eine der größten Sorgen der Bevölkerung ist neben tiefer Armut die prekäre Sicherheitslage. Ganze Landstriche Malis werden von islamistischen Milizen kontrolliert.

Frankreich und zahlreiche weitere Länder, unter ihnen Deutschland, stützen die politische Führung des Landes und versuchen, die Armee besser für den Kampf gegen Rebellengruppen auszurüsten.

Zusätzlich soll die Uno-Blauhelmmission (Minusma) für mehr Sicherheit sorgen, an der die Bundeswehr ebenfalls beteiligt ist. Internationale Truppen werden jedoch immer wieder Ziel von Anschlägen, die Mission Minusma gilt als derzeit gefährlichster Uno-Einsatz weltweit.

Zwar wurde Präsident Keïta im Jahr 2018 bei der Präsidentschaftswahl bestätigt, in vielen Landesteilen konnte der Urnengang aber wegen der schlechten Sicherheitslage nur eingeschränkt stattfinden. Außerdem warf die Opposition der Regierung Keïta vor, sie habe die Wahl zu Gunsten des Amtsinhabers manipuliert.

cht/Reuters/AFP