Nach Kritik aus Paris Mali weist französischen Botschafter aus

Der französische Außenminister Le Drian hat die mit russischen Söldnern zusammenarbeitende Militärjunta in Mali kritisiert. Die Folge: Frankreichs Botschafter muss das westafrikanische Land verlassen – binnen 72 Stunden.
Frankreichs Botschafter Joël Meyer (l.) und der damalige Präsident von Mali, Ibrahim Boubacar Keïta, im November 2019

Frankreichs Botschafter Joël Meyer (l.) und der damalige Präsident von Mali, Ibrahim Boubacar Keïta, im November 2019

Foto: Nicolas Remene / ddp/ZUMA

Die Beziehungen zwischen der früheren Kolonialmacht Frankreich und den Militärherrschern in Mali haben sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Nun hat die militärische Übergangsregierung des westafrikanischen Krisenstaats den französischen Botschafter des Landes verwiesen.

Über den Ausweisungsbeschluss sei Botschafter Joël Meyer bei einer Vorladung ins Außenministerium in Bamako unterrichtet worden, hieß es in einer am Montag im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung der Junta.

Wenige Tage zuvor hatte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian den internationalen Antiterrorkampf in Mali infrage gestellt. Botschafter Meyer sei aufgefordert, Mali innerhalb von 72 Stunden zu verlassen, teilte die Regierung mit. Grund dafür seien die »feindseligen und empörenden Äußerungen« Le Drians und die Bestätigung der Äußerungen durch die französischen Behörden in Mali, hieß es.

Le Drian hatte dem Sender RTL am Freitag gesagt, man könne angesichts der sich verschlechternden politischen und militärischen Lage in Mali nicht am Status quo festhalten, ohne jedoch konkret von einer möglichen Beendigung der französischen Operation »Barkhane« zu sprechen.

Abzug aller dänischen Truppen gefordert

Jüngst erst hatte die Militärjunta in Mali Dänemark zum Abzug seiner Soldaten aus dem Land aufgefordert. Auch der Einsatz der russischen Söldnerfirma Wagner durch die Militärregierung stößt in Frankreich und bei seinen Partnern auf Kritik.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen aktiv; Mali ist ein Schwerpunkt. Die derzeitige französische Operation »Barkhane« umfasst bis zu 5100 Soldaten. Mit einer Neuausrichtung seiner Präsenz in der Region und dem Ende von »Barkhane« will Frankreich die Truppenstärke langfristig auf 2500 bis 3000 Kräfte reduzieren. Auch die Bundeswehr hat in Mali mehrere Hundert Soldaten stationiert.

In den Staaten der Sahelzone – einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt – sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv. Einige haben den Terrorgruppen »Islamischer Staat« (IS) oder al-Qaida die Treue geschworen.

asc/dpa/AFP
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