Antiterrormission Mindestens 20 Tote nach französischem Luftangriff in Mali

Bei einem Luftschlag der französischen Armee in Zentralmali sind am Wochenende mehrere Menschen ums Leben gekommen. Das Militär will Terroristen »neutralisiert« haben, doch womöglich traf der Angriff eine Hochzeitsfeier.
Französischer Soldat bei einem Einsatz in Mali (Archivbild)

Französischer Soldat bei einem Einsatz in Mali (Archivbild)

Foto: Daphné Benoit / AFP

Bei einem Luftangriff in Mali sind nach Angaben der französischen Armee etliche Dschihadisten getötet worden. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei einem Einsatz französischer Kampfjets im Zentrum des westafrikanischen Landes seien bereits am Sonntag »mehrere Dutzend« Mitglieder einer Islamistengruppe »neutralisiert« worden.

Bewohner des Dorfes Bounti berichteten unterdessen von einem Helikopterangriff auf eine Hochzeitsfeier, bei dem etwa 20 Hochzeitsgäste getötet worden seien. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf eine lokale Quelle, der Angriff sei während der Hochzeitsfeier erfolgt. Der Luftangriff soll demnach Terroristen auf Motorrädern gegolten haben, die sich in der Nähe aufhielten. Dabei seien auch Zivilisten getroffen worden.

Französische Armee will Angriff »besonders streng« vorbereitet haben

»Die Berichte im Zusammenhang mit einer Hochzeit entsprechen nicht unseren Beobachtungen«, heißt es dagegen von der französischen Armee. Der Angriff sei »besonders streng« vorbereitet und die »bewaffnete Terrorgruppe« vollständig identifiziert worden. Die Dschihadisten seien vor den Luftangriffen über mehrere Tage beobachtet worden, dabei sei eine »verdächtige Ansammlung von Menschen« entdeckt worden.

In malischen Medien war seit Sonntag über die Luftangriffe spekuliert worden. Bewohner des rund 600 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernten Dorfes Bounti berichteten etwa, der Angriff habe Panik bei einer Gruppe von Hochzeitsgästen ausgelöst.

Der Verband Tabital Pulakuu der Volksgruppe der Fulani gab die Zahl der getöteten Zivilisten mit »mindestens 20« an, weitere 27 Personen seien vermisst. Ein Sprecher der Uno-Friedensmission in Mali (Minusma) sagte, die Blauhelme seien in die Vorfälle in Bounti nicht involviert gewesen.

Unabhängige Verifizierung ist extrem schwierig

Unklar war, ob den Berichten der französischen Armee und der Dorfbewohner möglicherweise zwei separate Vorfälle zugrunde lagen. Eine unabhängige Verifizierung der Berichte ist extrem schwierig, da das betroffene Gebiet teilweise von Dschihadisten kontrolliert wird.

Frankreich ist im Rahmen seiner Antiterrormission Barkhane mit rund 5100 Soldaten in der Sahelzone im Einsatz. Die Region Mopti, in der auch der Ort Bounti liegt, war im Jahr 2012 das Epizentrum dschihadistischer Aufstände, die sich auch auf die Nachbarländer Burkina Faso und Niger ausgeweitet haben. In dem Konflikt wurden bislang Tausende Soldaten und Zivilisten getötet, Hunderttausende Menschen mussten fliehen.

Frankreichs Regierung hatte zuletzt angekündigt, die Truppenstärke in der Sahelzone »sehr wahrscheinlich« zu reduzieren. Dies wurde mit »wichtigen militärischen Erfolgen« im vergangenen Jahr begründet.

fek/AFP/AP
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