Bewaffneter Aufstand Malis Präsident Keïta tritt nach Meuterei zurück

Erst wurde der Präsident festgesetzt, dann erklärte Ibrahim Boubacar Keïta in einer TV-Ansprache das Ende seiner Amtszeit: In Mali hat das Militär die Regierung gestürzt. Die Lage bleibt unübersichtlich.
Malische Soldaten in der Hauptstadt Bamako: Dramatische Eskalation nach Monaten der Krise

Malische Soldaten in der Hauptstadt Bamako: Dramatische Eskalation nach Monaten der Krise

Foto: STRINGER / AFP

Der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keïta kündigt nach der Gefangennahme durch meuternde Soldaten seinen Rücktritt an. "Ich möchte, dass kein Blut vergossen wird, um mich an der Macht zu halten", sagte er in einer kurzen Ansprache im staatlichen Fernsehen am Dienstag. Er werde zurücktreten und das Parlament auflösen.

Der Staatschef, dem Korruption und Versagen im Kampf gegen islamische Aufständische vorgeworfen wird, wurde am Dienstag in seiner Residenz in der Hauptstadt Bamako festgesetzt, nachdem es zuvor in einem nahe gelegenen Militärstützpunkt zu einem Aufstand gekommen war.

Dort waren Schüsse zu hören, es wurden Arsenale geöffnet und Waffen verteilt. Danach sollen dann Pick-ups mit Bewaffneten ins Zentrum der Hauptstadt gefahren sein, meldet unter anderem der französische Auslandssender Radio France International (RFI).

Auf dem Platz der Unabhängigkeit in der Hauptstadt versammelten sich schon im Laufe des Tages Demonstranten und forderten ein Ende von Keïtas Herrschaft. Viele von ihnen jubelten über erste Putschgerüchte.

Der westafrikanische Staatenverbund Ecowas verurteilte die Meuterei am Abend und rief zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung auf. Die Militärs sollten unverzüglich in ihre Kasernen zurückkehren. Der Staatenverbund verurteile jeden nicht der Verfassung entsprechenden Regierungswechsel "aufs Schärfste".

Kritik kommt auch aus dem Élysée-Palast

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am frühen Abend den versuchten Umsturz ebenfalls verurteilt. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete unter Bezug auf eine Quelle im Élysée-Palast, Macron habe mit Keïta und den Staatschefs der Elfenbeinküste, Senegals und Nigers telefoniert. Der französische Präsident unterstütze Vermittlungsversuche für eine Lösung der Krise in Mali, hieß es weiter.

Mali steckt seit Langem in einer schweren politischen Krise. Eine der größten Sorgen der Bevölkerung ist neben tiefer Armut die prekäre Sicherheitslage. Ganze Landstriche Malis werden von islamistischen Milizen kontrolliert. Bereits seit Wochen ruft die Opposition immer wieder zu Protesten gegen die Regierung auf. Keïta reagierte mit Härte, mehrere Oppositionsführer wurden verhaftet.

jok/Reuters

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