Vor der maltesischen Küste 50 Flüchtlinge von Viehfrachter geborgen

Tagelang mussten Dutzende Flüchtlinge in den dreckigen Ställen eines Viehfrachters auf dem Mittelmeer ausharren. Nun haben die maltesischen Behörden die Menschen an Land gebracht.

Die dramatische Lage auf dem Viehfrachtschiff MV "Talia" vor der Küste Maltas ist beendet. Nach Angaben des Kapitäns Mohammad Shabaan haben alle 50 Menschen sein Schiff verlassen und sollten von einem maltesischen Rettungsboot binnen zwei Stunden an Land gebracht werden. Die Übergabe wurde demnach gegen 23.15 Uhr abgeschlossen, alle 12 Frauen und 38 Männer seien von Bord.

Auf einem Video und Fotos, die dem SPIEGEL vorliegen, ist zu sehen, wie Einsatzkräfte in weißen Schutzanzügen Flüchtlinge vom Frachter an Bord des Rettungsbootes brachten. Beim Ablegen des Rettungsboots winken die geborgenen Flüchtlinge dem Frachter zu. "Sie sind glücklich", sagte Shabaan.

Auf der "Talia" waren zuletzt die Vorräte ausgegangen, um die Flüchtlinge zu versorgen. Außerdem war es an Bord zu Kämpfen unter den Migranten gekommen, ihre medizinische Lage hatte sich ebenfalls verschlechtert. 

Flüchtlinge mussten in ungereinigten Viehställen ausharren

Anders als die Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen ist Shabaans "Talia" jedoch nicht auf die Versorgung zahlreicher Menschen vorbereitet. Wegen eines Sturms hatten die Flüchtlinge sogar in den ungereinigten Ställen des Viehfrachters ausharren müssen.

Shabaan hatte die maltesischen Behörden, Italien und die EU am Dienstag dringend um humanitäre Hilfe gebeten. Beide Staaten hatten dem Kapitän jedoch zunächst die Einfahrt verweigert.

Der Kapitän hatte die Flüchtlinge am Freitagvormittag auf Aufforderung der Rettungsleitstelle Malta Rescue Coordination Center rund 50 Seemeilen südwestlich von Lampedusa an Bord genommen. "RCC Malta möchte Ihnen für Ihre freundliche Zusammenarbeit danken", heißt es nun offenbar in einem Schreiben der Behörde an den Kapitän.

In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte Kapitän Shabaan von den katastrophalen Bedingungen an Bord berichtet. Er hätte die Geretteten demnach keinen weiteren Tag lang versorgen können. "Ich mache Malta verantwortlich, wenn es zu Todesfällen kommt", sagte der Kapitän. Zuvor waren zwei Flüchtlinge bereits aus medizinischen Gründen abgeborgen worden.

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Haltung Maltas "mehr als beschämend"

Ein Bündnis von 35 Nichtregierungsorganisationen hatte die Haltung Maltas am Dienstag in einem gemeinsamen Statement als "mehr als beschämend" kritisiert. Die Migranten "wurden auf explite Anweisung Maltas gerettet", heißt es in dem gemeinsamen Statement. Das Land dürfe sich seiner Verantwortung nicht entziehen.

Maltas Regierungschef Robert Abela stufte das aktuelle Migrationssystem der 27 EU-Länder indes als "Scheitern" ein. "In der schlimmsten Phase der Corona-Pandemie war es Libyen, das uns half", sagte Abela nach einem Gespräch mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. "Viele EU-Mitgliedstaaten haben keine greifbare und konkrete Hilfe geleistet."

fek/hor
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