Bombenanschlag auf Bloggerin Mann wegen Mordes an Daphne Caruana Galizia zu 15 Jahren Haft verurteilt

Überraschende Wendung im Prozess zum Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia: Einer der Angeklagten hat sich schuldig bekannt – und wurde verurteilt. Die anderen beiden schweigen weiter.
Die Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2016

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2016

Foto: Jon Borg / dpa

Mehr als drei Jahre nach dem Autobomben-Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Malta hat ein Gericht einen von drei Angeklagten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte sich kurz zuvor in dem Prozess überraschend schuldig bekannt. Das Bekenntnis sei beim Strafmaß berücksichtigt worden, sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung.

Das Geständnis ist eine Wende in dem Verfahren in Valletta, in dem drei Männer wegen Mordes angeklagt sind und bisher ihre Schuld bestritten hatten. Die anderen beiden Männer änderten ihre Aussagen zunächst nicht.

Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass drei weitere Personen im Zusammenhang mit dem Mordfall festgesetzt wurden. Laut Polizei wurden drei Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, den Sprengsatz bereitgestellt zu haben, der beim Anschlag auf die Bloggerin verwendet wurde.

Die Bloggerin war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Laut Anklage sollen der nun Verurteilte und die beiden anderen Angeklagten den Sprengsatz aus der Ferne gezündet haben.

Der Mord an der Journalistin in einem EU-Land hatte weltweit für Aufsehen gesorgt und führte zu einer Reihe von Rücktritten auf höchster politischer Ebene in Malta. Galizia hatte über Korruption in Politik und Wirtschaft in ihrem Land berichtet. Darin verwickelt waren nach ihren Recherchen auch Mitglieder der Regierung.

In Malta läuft außerdem ein weiteres Verfahren gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher der Tat. Der einflussreiche Geschäftsmann wurde 2019 vor der Küste Maltas auf seiner Jacht festgenommen, als er versuchte zu fliehen. Die Anhörungen in seinem Fall haben noch nicht begonnen. Die Familie der Ermordeten hält ihn für den möglichen Auftraggeber des Mordes.

mfh/Reuters/dpa/AFP