Malta Mutmaßlicher Mörder der Journalistin Caruana Galizia gesteht Tat in Interview

Der des Mordes an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia beschuldigte George Degiorgio hat sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters eingelassen. Er will offenbar weitere Verdächtige belasten.
Forensiker am zerstörten Wagen der Journalistin Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017

Forensiker am zerstörten Wagen der Journalistin Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017

Foto: Darrin Zammit Lupi / REUTERS

Fast fünf Jahre nach dem Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia könnte der Kriminalfall eine spektakuläre Wendung nehmen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters hat einer der Hauptangeklagten aus der Haft eingeräumt, das Auto der Reporterin in die Luft gesprengt zu haben.

Laut Reuters ist es das erste Mal, dass sich George Degiorgio zu der Tat eingelassen hat. Demnach sagte der Angeklagte gegenüber einem Reuters-Journalisten, er hätte mehr Geld für den Auftragsmord gefordert, wenn er mehr über Caruana Galizia gewusst hätte. Er hätte dann zehn Millionen Euro verlangt und nicht 150.000, die er nach eigenen Angaben für den Mord erhielt, zitierte Reuters Degiorgio.

»Für mich war es nur ein Geschäft. Ja, Business as usual«, so Degiorgio gegenüber Reuters. Ihm tue die Tat »natürlich« leid. Zu dem Gespräch zwischen dem Reuters-Journalisten und Degiorgio kam es demnach im Rahmen einer Recherche eines Podcasts, der den Mord an Caruana Galizia aufarbeiten soll.

Caruana Galizia, eine Bloggerin, die über Politik und Korruption berichtete, war im Oktober 2017 mit einer Autobombe in die Luft gesprengt worden. Drei Männer werden beschuldigt, das Attentat durchgeführt zu haben: Seit Ende 2017 sitzen George Degiorgio und sein Bruder Alfred in Haft. Der ebenfalls seit 2017 festgehaltene Vincent Muscat war bereits 2021 wegen Mordes zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Er hatte zuvor umfassend mit den Ermittlern kooperiert.

Prozess gegen Degiorgio-Brüder kann beginnen

Maltas Berufungsgericht hatte im Juni eine Beschwerde George Degiorgio sowie seines mitangeklagten Bruders Alfred abgewiesen. George Degiorgio hatte versucht, die Mordanklage abzuwenden. Mit der Entscheidung des Berufungsgerichts kann der Prozess gegen die beiden Brüder beginnen.

Laut George Degiorgio könnte es für die anderen mutmaßlich Beteiligten heikel werden. »Ich werde mit dem Richter sprechen«, sagte er demnach im Gespräch mit Reuters und deutete dabei an, er könnte in seiner Aussage die Verwicklungen anderer Beschuldigter in einen vorherigen, nicht umgesetzten Mordversuch an der Journalistin offenlegen. Demnach will Degiorgio für sich und seinen Bruder Alfred eine Strafminderung ähnlich der für den verurteilten Muscat erreichen. »Wir werden nicht allein untergehen«, sagte der Angeklagte demnach.

Polizei will Äußerungen Degiorgios nicht kommentieren

Degiorgio will offenbar auch zwei ehemalige Minister des Inselstaats belasten. Sie sollen an einem Raub beteiligt gewesen sein. Die maltesische Polizei wollte sich laut Reuters zunächst nicht zu den Aussagen Degiorgios äußern.

Die Degiorgio-Brüder hatten ihre Beteiligung an dem Mord laut Reuters bislang stets bestritten. Der Geschäftsmann Yorgen Fenech wird von den Ermittlern und Caruana Galizias Familie als Drahtzieher des Mordes vermutet. Die Investigativjournalistin hatte zu einem Geschäft über ein Kraftwerk recherchiert, an dem er beteiligt gewesen sein soll. Fenech bestreitet eine Verwicklung in den Fall.

fek/Reuters
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