Angebliche Flucht aus Hausarrest Journalistin Owsjannikowa in Russland auf Fahndungsliste gesetzt

Der russischen Journalistin Marina Owsjannikowa droht wegen ihrer Protestaktion im Staatsfernsehen eine hohe Haftstrafe. Sie stand unter Hausarrest und soll sich nun nach Angabe ihres Ex-Mannes auf der Flucht befinden.
Der Journalistin Marina Owsjannikowa drohen wegen ihres Protests im russischen Fernsehen mehrere Jahre Haft

Der Journalistin Marina Owsjannikowa drohen wegen ihres Protests im russischen Fernsehen mehrere Jahre Haft

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Alexander Zemlianichenko / dpa

Die durch ihren Live-Protest gegen den Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa ist in Russland auf eine Fahndungsliste gesetzt worden. Auf der Website des russischen Innenministeriums war am Montag zu lesen, dass die 44-Jährige im Rahmen eines strafrechtlichen Verfahrens gesucht werde.

Gegen Owsjannikowa war im August wegen der »Verbreitung von Falschinformationen« über die russische Armee Anklage erhoben worden. Ihr drohen deswegen bis zu zehn Jahre Haft. Die Journalistin war Mitte August unter Hausarrest gestellt worden, der bis zum Beginn ihres Prozesses dauern sollte. Vorerst war ihr Hausarrest bis zum 9. Oktober verhängt worden.

Angeblich sei Owsjannikowa aus dem gerichtlich angeordneten Hausarrest geflohen. Die staatliche Nachrichtenagentur Russia Today berichtete am Samstag, dass sie zusammen mit ihrer Tochter geflohen und ihr Aufenthaltsort unbekannt sei. »Meine Ex-Frau hat in der vergangenen Nacht den Ort verlassen, den ihr das Gericht für den Hausarrest zugewiesen hatte, und ist zusammen mit meiner 11-jährigen Tochter in unbekannte Richtung geflohen«, wird ihr Ex-Mann zitiert.

Owsjannikowa war international bekannt geworden, als sie am 14. März während einer Livesendung ihres Arbeitgebers, eines Kreml-treuen, staatlichen Senders, hinter der Nachrichtensprecherin auftauchte und ein Protestplakat mit der Aufschrift »Kein Krieg« in die Kamera hielt. Danach verbrachte die Journalistin mehrere Monate im Ausland und arbeitete unter anderem kurzzeitig für die deutsche Zeitung »Die Welt«. Im Juli kehrte Owsjannikowa nach Russland zurück, wo sie ihre Kritik an der russischen Offensive in der Ukraine fortsetzte.

jso/AFP/Reuters
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