Erneute Protestaktion gegen Putin Russische Journalistin Owsjannikowa vorübergehend festgenommen

Im russischen Fernsehen hatte Marina Owsjannikowa ein Antikriegsplakat gezeigt – die Geste ging im März um die Welt. Nun wurde die Journalistin kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen.
Marina Owsjannikowa Mitte Juli in Moskau: »Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?«

Marina Owsjannikowa Mitte Juli in Moskau: »Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?«

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

Nach einer zweiten Protestaktion gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist die Fernsehjournalistin Marina Owsjannikowa mehreren Berichten zufolge festgenommen worden. Auf ihrem Telegram-Kanal wurden Fotos gepostet, die zeigen sollen, wie sie von Polizisten in einem Minibus abgeführt wird.

Auch das Bürgerrechtsportal »OVD-Info« in Moskau und die Organisation Cinema for Peace in Deutschland berichteten über die Festnahme. Die frühere Mitarbeiterin des russischen Ersten Kanals sei in das Krasnoselski-Polizeirevier in Moskau gebracht worden. Owsjannikowa Anwalt bestätigte die Festnahme seiner Mandantin gegenüber der Nachrichtenagentur Ria-Nowosti. Es gebe keine Informationen über ihren Aufenthaltsort, sagte er.

In der Nacht zum Montag meldete »OVD-Info«  unter Berufung auf den Anwalt Dmitri Sachwatow, Owsjannikowa sei wieder frei.

»Putin ist ein Mörder«

Die Journalistin hatte am Freitag Fotos gepostet, auf denen sie mit einem Protestplakat in Sichtweite des Kremls steht. »Putin ist ein Mörder«, stand auf dem Plakat. Und: »Seine Soldaten sind Faschisten.« In der Ukraine seien bereits 352 Kinder getötet worden. »Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?«

Unklar blieb, von wann die Bilder stammen und wie lange Owsjannikowa an der Uferstraße des Flusses Moskwa gestanden hatte. Üblicherweise unterbindet die russische Polizei solche Proteste in Minutenschnelle.

Als damalige Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehens hatte Owsjannikowa im März in einer Livesendung ein Protestplakat gegen den Krieg gezeigt. Darauf stand: »Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen«.

DER SPIEGEL

Dafür bekam die bis dahin als linientreu geltende Redakteurin weltweit Anerkennung. In Russland wurden Geldstrafen gegen sie verhängt. Nach der Aktion lebte sie zwischenzeitlich im Ausland und berichtete für die deutsche Zeitung »Welt«.

Unmittelbar nach dieser ersten großen Protestaktion sprach Owsjannikowa mit dem SPIEGEL  über ihre Arbeit für die Staatspropaganda, die jahrelangen Lügen, das Verdrängen – und die Angst vor dem, was nun kommt.

atb/aar/dpa/AFP
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