Umkämpfte Hafenstadt in der Ostukraine Evakuierungen in Mariupol offenbar erneut gescheitert

Russische Truppen haben die ukrainische Großstadt Mariupol eingekesselt. Nun ist der Versuch, in einer Feuerpause Tausende Zivilisten aus der Stadt zu bringen, wohl abermals abgebrochen worden.
Zwei Kinder wärmen sich in Mariupol unter einer Decke (Foto vom Freitag)

Zwei Kinder wärmen sich in Mariupol unter einer Decke (Foto vom Freitag)

Foto: Evgeniy Maloletka / AP

Die Einrichtung eines humanitären Korridors in die schwer umkämpfte ukrainische Stadt Mariupol ist augenscheinlich erneut gescheitert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, machen sich prorussische Separatisten und die ukrainischen Streitkräfte gegenseitig dafür verantwortlich.

Der Sender Ukraine24 zitierte laut Reuters einen Kämpfer des ukrainischen Asow-Regiments mit der Aussage, die Angreifer bombardierten zuvor als sicher deklarierte Gebiete in der Stadt.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete indes über einen Vertreter der separatistischen Verwaltung in Donezk, der ukrainischen Truppen einen Bruch der vereinbarten Feuerpause vorwarf. Demnach konnten nur etwa 300 Menschen die Stadt verlassen. Keine der Angaben ließ sich zunächst verifizieren, die Lage in der Stadt bleibt extrem unübersichtlich.

Mariupol hat insgesamt etwa 400.000 Einwohner, ukrainische Behörden hatten zuvor angekündigt, mehr als 200.000 Zivilisten in Sicherheit bringen zu wollen. Die Industriestadt steht bereits seit Tagen unter russischem Beschuss. Zuletzt war offenbar die Trinkwasser- und Stromversorgung gekappt worden.

Mariupols Bürgermeister Wadym Boitschenko hatte am Samstag in einer ukrainischen TV-Sendung von einer »humanitären Blockade« gesprochen. Anton Heraschtschenko, Berater im ukrainischen Innenministerium sagte zuletzt: »Die Besatzer wollen die Stadt in ein belagertes Leningrad verwandeln«. Er bezog sich damit auf die deutsche Belagerung des heutigen Sankt Petersburg, das in der Sowjetunion Leningrad hieß. Während der mehrjährigen Blockade der Stadt durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg waren rund eine Million Menschen gestorben.

fek/Reuters
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