Facebook-Chef Mark Zuckerberg "Wir haben unsere Lektion gelernt"

Erstmals tritt Mark Zuckerberg bei der Sicherheitskonferenz auf. Vor den US-Wahlen versucht der Facebook-Chef, die Sorge vor neuen Manipulationen zu zerstreuen. Selbst für staatliche Regulierung zeigt er sich offen.
Aus München berichtet Matthias Gebauer
In München präsentiert sich Mark Zuckerberg geradezu als Kämpfer für Demokratie

In München präsentiert sich Mark Zuckerberg geradezu als Kämpfer für Demokratie

Foto: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/REX

Mark Zuckerberg ist zweifellos der Star der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Seit der Multimilliardär in München gelandet ist, reißen sich die angereisten Politik-VIPs bis hoch zu Regierungschefs um die raren Termine mit dem Chef von Facebook. Jeder hier möchte nun mit ihm reden. Oder wenigstens ein  Foto mit dem Amerikaner schießen. Auf die Tickets für ein Dinner mit Zuckerberg herrscht ein regelrechter Run.

Doch Zuckerberg ist nicht nur für vertrauliche Gespräche mit Politikern nach München gereist. Spätestens seit den US-Wahlen 2016 steht seine Firma massiv unter Druck. Damals nutzte das Wahlkampfteam von Donald Trump Softwarelücken von Facebook aus, um unentschlossene Wähler in den sogenannten Swingstates zu identifizieren und mit Schmutzgeschichten über seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton zu versorgen.

Parallel dazu war auch Russland auf Facebook aktiv. Über tausende Fake-Accounts verbreiteten Trolle ebenfalls viel Schmutz über Hillary Clinton und die von Hackern erbeuteten Mails aus dem Maschinenraum der Demokraten. Präsident Wladimir Putin ließ damals auch öffentlich keinen Zweifel erkennen, dass er Donald Trump als Präsident präferierte, da er sich eine weniger harsche Haltung gegenüber Moskau erhoffte.

Zuckerberg ist der Druck anzumerken

In München ist Zuckerberg der Druck anzumerken. Fast eine Stunde nimmt sich der öffentlichkeitsscheue Facebook-Chef Zeit, um sich und seine Firma auf der großen Bühne der Konferenz zu verteidigen. Den Kernsatz sagt er gleich zu Beginn: "Wir haben unsere Lektion aus der Wahl 2016 gelernt". Dann führt er aus, wie Facebook in Zukunft verhindern will, dass Wahlen rund um den Planeten von fremden Mächten beeinflusst werden.

Die Fakten, die Zuckerberg als Beweise für seine Läuterung runterrattert, hören sich beeindruckend an. So habe Facebook seit 2016 insgesamt 50 Desinformationskampagnen identifiziert. Bei zwei Operationen wird Zuckerberg konkret: So hätten seine Experten ein Netzwerk von iranischen Fake-Accounts entdeckt, die die US-Wahlen beeinflussen wollten. Ausgeschaltet worden sei auch ein russisches Netzwerk, das beim Urnengang in der Ukraine mitspielen wollte.

"Wir haben eine Verantwortung"

Zuckerberg präsentiert sich in München geradezu als Kämpfer für Demokratie. "Wir haben eine Verantwortung", ruft er in den Saal, "denn es wird neue Bedrohungen geben und wir müssen sie entdecken, bevor sie Schaden anrichten können". Deswegen habe seine Firma Programme installiert, die jeden Tag eine Million Fake-Accounts löschen. Zuckerberg sagt, diese Maßnahmen hätten in den letzten Jahren gleich mehrere Milliarden Dollar gekostet.

Die Offenheit des Facebook-Manns zeigt, wie sehr er unter Druck steht. Wegen der Wahlmanipulationen musste er sich sowohl in den USA als auch bei der EU in öffentlichen Anhörungen rechtfertigen. Sein Image als smarter Internetunternehmer, dessen soziales Netzwerk weltweit 1,9 Milliarden Nutzer verbindet, litt damals gewaltig. Auch dem Börsenkurs seiner Firma tat der Skandal nicht gerade gut.

Folglich will der Internetstar plötzlich auch mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten. In München sagt er, Internetunternehmen bräuchten klare Regulierungen nicht nur bei Desinformations-Operationen, sondern auch bei der Definition von hasserfüllten Inhalten, Terrorpropaganda oder Gewaltaufrufen. "Wir können nicht der einzige Akteur sein", so Zuckerberg. Nach dem Stopp in München wolle er deswegen zur EU nach Brüssel reisen.

Ob Zuckerberg mit seiner Initiative den Imageschaden abmildern kann, ist schwer abzusehen. Von den Sicherheitsexperten jedenfalls muss er sich auch kritische Fragen anhören. Meist geht es um die Algorithmen, die Facebook nutzt, um etwa politische Werbung auf den Nutzer zugeschnitten auszuspielen. Bei diesem Punkt wird der Facebook-Chef ziemlich wortkarg, dann ist seine Redezeit vorbei.

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