Anführer der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung Spanien greift offenbar Verfahren gegen Polisario-Chef wieder auf

Polisario-Chef Brahim Ghali wird aktuell in einem spanischen Krankenhaus behandelt. Marokko ist darüber empört – und hat wohl auch deshalb Tausende Migranten nach Ceuta passieren lassen. Madrid reagiert nun auf den Druck.
Frente Polisario-Anführer Brahim Ghali (Archivbild): Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen

Frente Polisario-Anführer Brahim Ghali (Archivbild): Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen

Foto: Ramzi Boudina / REUTERS

Die spanische Justiz reagiert auf den Andrang der Migrantinnen und Migranten in der Exklave Ceuta offenbar auf ganz eigene Weise: Sie hat ein Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen den Anführer der Widerstandsbewegung Frente Polisario wiedereröffnet.

Der Fall wurde wieder aufgenommen, weil Polisario-Anführer Brahim Ghali sich derzeit wegen einer Corona-Behandlung in Spanien aufhält. Das hat die Nachrichtenagentur AFP aus Justizkreisen erfahren. Ghalis Aufenthalt in Spanien hatte zu diplomatischen Verwerfungen mit Marokko wegen der Konfliktregion Westsahara geführt.

Ghali, der mit Frente Polisario für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft, werden in Spanien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Morde und Folter vorgeworfen. Die Klage wurde vor Jahren von Dissidenten eingereicht, die vor Ghalis Bewegung geflohen waren.

Die Westsahara ist eine ehemalige spanische Kolonie, die größtenteils von Marokko kontrolliert wird. Rabat hatte verärgert auf die Entscheidung Madrids reagiert, dem Anführer der Widerstandsbewegung eine medizinische Behandlung in Spanien zu gewähren. Der an Covid-19 erkrankte Polisario-Anführer Ghali wurde bereits Mitte April in ein spanisches Krankenhaus eingeliefert.

Experten vermuten, dass der Ansturm auf Ceuta mit dem Unmut Rabats auf die Madrider Regierung zu tun hat. Innerhalb von zwei Tagen kamen fast 8000 Menschen in der spanischen Exklave an, die an Marokko grenzt. Die marokkanischen Sicherheitskräfte hatten die Menschen am Montag offenbar passieren lassen. Erst am Dienstag verstärkte Marokko die Polizeipräsenz an dem Grenzübergang Fnideq.

Marokko ist ein wichtiger Verbündeter Spaniens im Kampf gegen die illegale Einwanderung. Die spanische Regierung wies jedoch Befürchtungen zurück, die diplomatische Krise werde die Zusammenarbeit in der Migrationspolitik beeinträchtigen. Außenministerin Arancha González Laya sagte, marokkanische Regierungsvertreter hätten versichert, dass die jüngsten Ereignisse rund um Ceuta nichts mit der Aufnahme Ghalis in Spanien zu tun hätten.

ime/AFP
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