Medienberichte Marokko will offenbar Beziehungen mit deutscher Botschaft aussetzen

In marokkanischen Medien kursiert ein Schreiben, wonach das Land die Beziehungen zur deutschen Botschaft kappen will. Grund für den Schritt sollen »tiefe Missverständnisse« sein.
Marokkos Außenminister Nasser Bourita

Marokkos Außenminister Nasser Bourita

Foto: JIM WATSON/ AFP

Der Schritt würde einen diplomatischen Eklat bedeuten: Marokko will laut einem Bericht der Nachrichtenseite »Medias24 « den Kontakt zur deutschen Botschaft in Rabat abbrechen.

Das Portal zitiert aus einem Schreiben, das Marokkos Außenminister Nasser Bourita am Montag an die marokkanische Regierung geschickt haben soll. Laut »Medias24« sollte der Brief offenbar unter Verschluss gehalten werden. Auch der Nachrichtenagentur Reuters lag das interne Schreiben am späten Montagabend vor.

»Jeglicher Kontakt« mit der deutschen Botschaft, jeder »Umgang oder kooperative Handlungen in allen Fällen und allen Formen« werde ausgesetzt, heißt es darin. Als Grund werden in dem einseitigen Brief »tiefe Missverständnisse« zu »grundlegenden Fragen des Königreichs Marokko« genannt.

Wie Reuters unter Berufung auf einen hochrangigen marokkanischen Diplomaten berichtet, soll der Schritt unter anderem in der Haltung der Bundesregierung zum Territorium Westsahara begründet sein. Es zeige sich »Geringschätzung« darin, wie Deutschland darauf reagiert habe, dass die USA im Dezember Marokkos Anspruch auf die Westsahara anerkannt hätten, zitiert Reuters den Diplomaten. Deutschland hatte als Reaktion auf den Schritt der USA eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats einberufen.

Zudem soll es auf marokkanischer Seite Verstimmungen darüber geben, dass das Land nicht zu einer internationalen Libyenkonferenz eingeladen wurde.

Auswärtiges Amt will Schreiben nicht kommentieren

Eine offizielle Mitteilung von marokkanischer Seite gab es zunächst nicht. Die deutsche Botschaft in Rabat war laut der Nachrichtenagentur dpa zunächst nicht zu erreichen. Das Auswärtige Amt wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage zunächst nicht zu dem Schreiben äußern. Man habe die Berichte jedoch zur Kenntnis genommen.

In dem Schreiben werden marokkanische Behörden gebeten, »sämtlichen Kontakt«, zu unterbinden – sowohl mit der deutschen Botschaft in Rabat wie auch mit deutschen Organisationen, die mit der Botschaft verbunden sind. Ausnahmen müssten dabei explizit vom marokkanischen Außenministerium genehmigt werden.

Das Auswärtige Amt beschreibt die Beziehungen mit Marokko im Internet als »traditionell eng, freundschaftlich und spannungsfrei«. In dem Land sind mit eigenen Büros unter anderem die Friedrich-Ebert-, die Konrad-Adenauer- und die Friedrich-Naumann-Stiftung vertreten. Beide Länder pflegen auch starke Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.

fek/dpa/Reuters