Dramatischer Anstieg Hilfsorganisationen zählen weltweit mehr Binnenflüchtlinge als je zuvor

Mehr als 50 Millionen Menschen sind innerhalb ihrer Landesgrenzen auf der Flucht - vor Konflikten, aber auch Naturkatastrophen. Die Corona-Pandemie macht ihre Situation noch prekärer.
Somalische Frauen stehen in einer neuen Auffangstelle für Binnenflüchtlinge in Mogadischu (Archivbild)

 Somalische Frauen stehen in einer neuen Auffangstelle für Binnenflüchtlinge in Mogadischu (Archivbild)

Foto: Abukar Albadri/ dpa

Mehr als 33 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr aufgrund von Konflikten oder Naturkatastrophen innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes vertrieben worden. Dadurch erhöhte sich die Zahl der Binnenflüchtlinge insgesamt weltweit auf eine Rekordzahl von 50,8 Millionen Menschen, wie aus einem Bericht der Organisationen Internal Displacement Monitoring Center (IDMC) und Norwegian Refugee Council (NRC) hervorgeht.

Jahr für Jahr würden Millionen Menschen durch Konflikte und Gewalt zur Flucht gezwungen, kritisierte NRC-Chef Jan Egeland. "Als Gemeinschaft scheitern wir in unglaublicher Weise daran, die am meisten gefährdeten Menschen der Welt zu schützen." In Zeiten der Corona-Pandemie sei "die Fortsetzung politischer Gewalt vollkommen sinnlos", betonte Egeland.

Fast 25 Millionen Menschen wurden dem Bericht zufolge aufgrund von Naturkatastrophen vertrieben. Allein 4,5 Millionen Menschen flohen demnach wegen des Zyklons Fani in Indien und Bangladesch, der Stürme Idai und Kenneth in Mosambik und des Hurrikans Dorian auf den Bahamas in andere Regionen ihres Landes.

Die meisten der Vertreibungen durch Naturkatastrophen seien jedoch zeitlich befristet, erklärte IDMC-Direktorin Alexandra Bilak. Ein Großteil der Vertreibungen sei durch die staatliche Evakuierung von Katastrophengebieten zustande gekommen. Die meisten Menschen könnten schnell nach Hause zurückkehren, "solange ihr Zuhause nicht komplett zerstört worden ist", betonte Bilak.

Bewaffnete Konflikte waren laut dem Bericht im vergangenen Jahr der Auslöser für die Flucht von 8,5 Millionen Menschen innerhalb der Grenzen ihres eigenen Landes, darunter in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien und im Südsudan.

Humanitäre Hilfe zusätzlich begrenzt

Die Corona-Pandemie mache die Situation dieser Menschen noch prekärer, warnten die Organisationen. Binnenvertriebene seien aufgrund ihrer Lebensbedingungen in oft überfüllten Lagern, Notunterkünften oder informellen Siedlungen ohne ausreichenden Zugang zur Gesundheitsversorgung besonders gefährdet, sagte Bilak. Die Corona-Pandemie beeinträchtige die "bereits prekären Lebensumstände" der Menschen, "weil ihr Zugang zu lebenswichtigen Diensten und humanitärer Hilfe zusätzlich begrenzt wird".

Die Zahl der Binnenvertriebenen ist deutlich höher als die der Menschen, die 2019 über Landesgrenzen hinweg aus ihrer Heimat flohen. Dies waren dem Bericht zufolge 26 Millionen Menschen.

vks/AFP
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