Migration nach Europa Mehr als 8000 Flüchtlinge erreichen Kanaren innerhalb von nur zwei Wochen

Es ist eine der tödlichsten Migrationsrouten der Welt: Seit Wochen steuern vermehrt Flüchtlingsboote die Kanaren an. Besonders im Fokus steht eine kleine Insel mit rund 11.000 Einwohnern.
Gerettete im Hafen von El Hierro

Gerettete im Hafen von El Hierro

Foto: GELMERT FINOL / EPA
Globale Gesellschaft

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Auf den Kanaren kommen zurzeit viele Flüchtlingsboote an, die an den Küsten Westafrikas ablegen. Mindestens 8561 Migranten haben in den vergangenen zwei Wochen die Kanarischen Inseln erreicht, wie aus Daten des spanischen Innenministeriums vom Montag hervorgeht. Dies entspricht mehr als einem Drittel der diesjährigen Gesamtzahl der Ankünfte.

Zwischen dem 1. Januar und dem 15. Oktober sind auf den kanarischen Inseln insgesamt 23.537 Migranten angekommen, 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Besonders im Fokus steht die kleine Insel El Hierro mit rund 11.000 Einwohnern. Die meisten Migranten werden jedoch innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen auf größere Inseln und von dort später aufs Festland gebracht.

Migranten am Kai von El Hierro

Migranten am Kai von El Hierro

Foto: Gelmert Finol / EPA

Die sieben Inseln im Atlantik sind zum Hauptziel für Migranten aus dem Senegal und anderen afrikanischen Ländern geworden, die Spanien zu erreichen versuchen. Andere Geflüchtete probieren, über das Mittelmeer auf das spanische Festland zu gelangen. Milderes Wetter und ein ruhigeres Meer im September, Oktober und manchmal auch im November führen in der Regel zu einem Anstieg der Migrantenankünfte.

Die Route vom Westen Afrikas auf die Kanaren ist eine der tödlichsten Migrationsrouten der Welt. Die Migranten legen Hunderte Kilometer zurück, oft verfehlen sie die Inseln – und sterben auf See.

Einer der Hauptgründe für den Anstieg der irregulären Migration ist die politische und wirtschaftliche Instabilität im Senegal . Unter den Ankommenden sind viele Fischer, der wichtige Wirtschaftszweig steckt in der Krise. Zudem hat die Regierung den Oppositionsführer, der gerade jungen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gemacht hatte, ins Gefängnis gesteckt. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex nennt die Zustände im Land einen »Push-Faktor«, der die Menschen dazu bringe, auf die Boote zu steigen und das Land zu verlassen.

Spanien hat die Aufnahmekapazitäten auf den Kanaren in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Die Regierung zeigt sich angesichts der steigenden Zahlen dennoch besorgt. Ohne die Hilfe der EU könne die Situation nicht bewältigt werden, heißt es in Madrid. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska teilte mit, dass das Land zwei zusätzliche Flugzeuge zur Überwachung der Migrationsrouten einsetzen werde.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

slü/Reuters
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