Parteitag der Republikaner Die First Lady hält sich zurück, der Außenminister attackiert

Melania Trump wählte versöhnliche Töne am zweiten Tag der Convention der Republikaner. Dafür teilte Mike Pompeo aus - und brach dabei mit einer Tradition.
Melania Trump: "Donald will, dass Ihre Familien sicher sind"

Melania Trump: "Donald will, dass Ihre Familien sicher sind"

Foto: Kevin Lamarque / REUTERS

Tag zwei der großen Donald-Trump-Show, offiziell Nominierungsparteitag der Republikaner, stand unter dem Motto "Land of Opportunity" ("Land der Möglichkeiten"). Zentrales Element war die Rede der First Lady Melania Trump aus dem Rosengarten des Weißen Hauses. Über ihren Ehemann sagte sie: "Ob es einem gefällt oder nicht: Man weiß immer, was er denkt."

Außerdem erinnerte sie, mit Blick auf das Motto des Abends, an ihre eigene Einwanderer-Geschichte, die Kindheit in Slowenien und ihre ersten Eindrücke der USA. Sie wandte sich an die Betroffenen der Corona-Pandemie, die die USA wie kein anderes Land getroffen hat. "Ich möchte, dass ihr wisst, dass ihr nicht allein seid." Ihr Ehemann werde nicht ruhen, bis er alles in seiner Macht für die Opfer getan habe.

Auf den TV-Bildern waren unter den Zuschauern vor Ort, darunter der Präsident, wenige Maskenträger zu erkennen. "Donald will, dass Ihre Familien sicher sind", so Melania Trump weiter. "Er liebt dieses Land und weiß, wie man etwas erreichen kann", sagte Melania Trump weiter. "Ich glaube, dass wir jetzt mehr denn je die Führung meines Ehemannes brauchen." 

Die First Lady verzichtete bei ihrer Rede auf Angriffe auf den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. "Ich will diese wertvolle Zeit nicht dazu gebrauchen, um die andere Seite anzugreifen", sagte sie. Mit Blick auf den Parteitag der Demokraten fügte sie hinzu: "Wie wir vergangene Woche gesehen haben, dient diese Art von Gerede nur dazu, das Land weiter zu spalten."

Das war es dann aber auch schon mit versöhnlichen Tönen an diesem Tag zwei. Der Rest des Programms war von Attacken geprägt. In Missachtung einer langen Tradition hat sich US-Außenminister Mike Pompeo direkt in den Wahlkampf eingebracht und für Trumps Wiederwahl geworben. Die Umsetzung des Programms "America First" habe Trump zwar "nicht in jeder ausländischen Hauptstadt populär gemacht", sagte Pompeo in der zuvor in Jerusalem aufgezeichneten Ansprache. "Aber es hat funktioniert."

In China habe Trump "den Vorhang vor der räuberischen Aggression der Kommunistischen Partei Chinas" gelüftet, sagte der US-Außenminister. Zur Corona-Pandemie sagte Pompeo: "Der Präsident hat China dafür zur Rechenschaft gezogen, dass es den China-Virus vertuscht hat und zugelassen hat, dass es Tod und wirtschaftliche Zerstörung in Amerika und in der Welt verbreitet." Unter der Regierung Trumps sei die Nato stärker geworden, erklärte Pompeo.

Auftritt des Ministers sorgt für Empörung im Biden-Lager

Der Auftritt Pompeos hatte schon im Vorfeld viel Kritik provoziert. Unmittelbar nach der Ausstrahlung meldete sich das Wahlkampfteam von Joe Biden zu Wort. Es handele sich um eine "eklatante Nutzung seines Amtes" für offen parteipolitische Zwecke und eine "missbräuchliche Verwendung von Steuergeldern".

Pompeos Entscheidung, während einer vom Steuerzahler finanzierten diplomatischen Mission als "Laufbursche" von Präsident Trump zu dienen, sei "absolut skandalös", erklärte Bidens Vize-Wahlkampfmanagerin Kate Bedingfield. Der Vorgang schade zudem der Arbeit des US-Außenministeriums und politisiere die historischen Beziehungen zum Verbündeten Israel.

Neben der First Lady haben am zweiten Tag des Parteitags weitere Familienmitglieder des Präsidenten ihren Auftritt gehabt. Vor seinem Vater habe sich niemand für die "stille Mehrheit" im Land eingesetzt, sagte Eric Trump. Politiker sowohl der Demokraten als auch der Republikaner vor Trump hätten sich "mehr darum gesorgt, wie sie von den Eliten in Paris empfangen werden, als darüber, wie Amerikaner für ihre Familien in Pittsburgh sorgen werden". "Mein Vater wird für euch kämpfen", sagte er.

Präsidententochter Tiffany Trump hat den US-Bürgern erklärt, dass sie von Medien und Technologie-Konzernen manipuliert werden. "Statt den Amerikanern das Recht einzuräumen, unsere eigenen Überzeugungen zu formen, hält dieses System der Desinformation die Menschen geistig versklavt von den Ideen, die sie für richtig halten", sagte Tiffany Trump am Dienstag. "Die Menschen müssen erkennen, dass unsere Gedanken, Meinungen und sogar die Entscheidung, für wen wir abstimmen, von Medien und Tech-Giganten manipuliert und auf unsichtbare Weise aufgezwungen werden."

Auch Donald Trump selbst hatte seinen Auftritt, so wie an jedem der vier Tage dieses Großtreffens seiner Partei. Üblicherweise tritt der Kandidat bei solchen Veranstaltungen nur einmal zu einer großen Rede ans Mikrofon, meist am letzten Tag der Convention.

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Zum Auftakt des zweiten Tages ließen die Organisatoren die emotionale Begnadigung eines ehemaligen Häftlings per Video einspielen - Stichwort "Land der Möglichkeiten". Das Leben von Jon Ponder sei "ein schönes Zeugnis für die Kraft der Erlösung", sagte Trump vor der Unterzeichnung des Gnadenerlasses in einer Ansprache mit zahlreichen religiösen Bezügen. Mit der Begnadigung ist für Ponder die volle Wiederherstellung der Bürgerrechte verbunden, darunter auch das Wahlrecht.

Die TV-Zuschauer haben wenig Lust auf den Parteitag

Eine angekündigte Rednerin wird bei diesem Parteitag fehlen. Mary Ann Mendoza ist die Mutter eines getöteten Polizisten, der nach Angaben des Trump-Wahlkampfteams von einem vorbestraften illegalen Migranten unter Alkoholeinfluss überfahren wurde. Sie hätte für ein härteres Vorgehen gegen Migranten werben sollen. Nach der Weiterverbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien auf Twitter flog sie am Dienstag kurzfristig von der Rednerliste.

Für Trumps Wahlkampfteam ist der Vorfall peinlich. Unter anderem, weil sich Außenminister Pompeo eben ausgerechnet aus Jerusalem zu Wort meldete.

Noch offen ist, ob der Auftritt von Melania Trump für bessere Einschaltquoten sorgen wird. Der erste Abend jedenfalls blieb hinter den Erwartungen zurück. 15,84 Millionen Zuschauer waren am Fernseher dabei, verglichen mit 18,69 Millionen am ersten Abend des demokratischen Parteitags vergangene Woche. Da hatte sich Donald Trump noch über die "sehr schlechte" Quote des politischen Gegners ausgelassen.

jok/dpa/Reuters
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