Spanische Exklave in Nordafrika Rund 2000 Migranten versuchen, den Zaun nach Melilla zu überwinden

Sechs Meter hohe Zäune sollen Migranten abhalten, in die spanische Exklave Melilla in Nordafrika zu gelangen. Nun haben erneut Flüchtende versucht, über die Grenzanlage zu klettern. Einige hatten laut spanischen Behörden Erfolg.
Migranten in Melilla

Migranten in Melilla

Foto: Antonio Ruiz / dpa

Etwa 2000 Migranten haben Medienberichten zufolge den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla gestürmt. Sie hätten eines der Tore in der Grenzanlage aufgebrochen, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Polizei. Ungefähr 130 von ihnen sei es gelungen, in die Exklave im Norden Marokkos vorzudringen, teilten die spanischen Behörden mit.

Auf Videobildern im Internet war zu sehen, wie überwiegend junge Männer durch die Straßen rannten. Einige hätten sich bei der Erstürmung der Grenzanlage, die aus zwei parallelen, sechs Meter hohen Stacheldrahtzäunen besteht, verletzt. Ein Sprecher der spanischen Behörden in Melilla sagte, insgesamt habe es sich um etwa 2000 Personen gehandelt. Viele seien von Polizisten und Sicherheitskräften auf marokkanischer Seite aufgehalten worden. Diejenigen, die es in die Exklave geschafft hätten, würden nun vor Ort in einem Migrationszentrum überprüft.

Am Vortag waren spanischen Medienberichten zufolge 116 marokkanische Beamte verletzt worden, als sie etwa 500 Migranten von der Grenzanlage fernhalten wollten. Ein Polizist habe auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden müssen.

Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. Beide werden von Rabat beansprucht.

Die spanische Regierung vollzog im März nach langem Streit über Marokkos Kontrolle über die Westsahara einen diplomatischen Kurswechsel. Madrid erkannte den marokkanischen Autonomieplan für das umstrittene Gebiet an, der unter anderem vorsieht, der Westsahara eine Autonomie unter marokkanischer Souveränität anzubieten.

Seitdem wurden etwa Fährverbindungen zwischen Spanien und Marokko wieder aufgenommen und Programme zur polizeilichen Zusammenarbeit unter anderem an den spanischen Exklaven gestartet.

In der Nähe der beiden Gebiete warten oft Zehntausende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Chance, in die EU zu gelangen. Meistens versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen und so über die Grenze zu kommen.

Im März hatten nach spanischen Angaben mehr als 3500 Personen versucht, den Grenzzaun zu überwinden. Rund Tausend hätten Erfolg gehabt, hieß es.

muk/dpa/AP/AFP
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