Spanische Exklave Melilla Migranten versteckten sich in giftiger Asche und unter Glasscherben

Immer wieder versuchen afrikanische Asylsuchende, mit waghalsigen Aktionen aus Marokko nach Spanien zu gelangen. Zwei neue tragische Fälle zeigen ihre Verzweiflung.
Ein Beamter der Guardia Civil hilft einem Migranten aus einem Sack mit giftiger Asche

Ein Beamter der Guardia Civil hilft einem Migranten aus einem Sack mit giftiger Asche

Foto: HANDOUT / AFP

Spanien hat mit Ceuta und Melilla zwei Exklaven in Nordafrika. In der Nähe der beiden Gebiete warten Zehntausende Afrikaner auf eine Gelegenheit, in die Europäische Union zu gelangen – sie wollen zunächst die sechs Meter hohen Grenzzäune überwinden, dann von den Exklaven weiter aufs spanische Festland gelangen. Immer wieder kommt es zu waghalsigen Aktionen, bei denen die Verzweifelten ihr eigenes Leben riskieren.

Die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet nun von einem Vorfall, bei dem sich Migranten unter Altglasscherben und in einem Sack mit giftiger Asche versteckt haben. Vier Menschen waren zum Teil mit zahlreichen Schnittwunden auf Lastwagen mit Altglasladung gefunden worden, die per Fähre nach Spanien transportiert werden sollten. Ein weiterer Mann hatte sich in einem großen Plastiksack mit giftiger Asche aus einer Verbrennungsanlage versteckt, wie auf Videobildern zu sehen war. Der Polizist, der zunächst nur ein lebloses Bein aus dem Sack ragen sah, habe zunächst gedacht, der Mann sei tot, bis dieser sich plötzlich hustend und völlig mit grauer Asche bedeckt aus dem Sack befreite, schrieb die Nachrichtenagentur.

Insgesamt seien am Freitag 41 Migranten im Bereich des Hafens entdeckt worden, seit Jahresbeginn sei die Zahl damit auf 1781 gestiegen, schrieb Europa Press. Die Menschen, die meist aus afrikanischen Ländern nach Melilla gekommen sind, riskieren ihr Leben, wenn sie versuchen, auf langsam fahrende Lastwagen aufzuspringen und oben auf den Fahrzeugen liegend oder am Unterboden hängend auf das spanische Festland zu gelangen.

Aussicht auf Asyl haben die Schutzsuchenden jedoch nicht zwingend. Denn Spanien darf nach Ansicht des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in seiner Exklave Melilla Migranten bei Grenzübertritt umgehend nach Marokko zurückweisen. Diese sogenannten Pushbacks würden nicht gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen.

Das Urteil von 2019 behandelt einen konkreten Fall, bei dem zwei Männer 2014 mehrere Stunden auf einem Grenzzaun von Melilla verbracht hatten. Sie wurden dann von der spanischen Guardia Civil festgenommen und ohne Verfahren oder Rechtsschutz nach Marokko gebracht und dort den marokkanischen Grenzbeamten übergeben. Die beiden Männer hätten sich selbst in die rechtswidrige Situation gebracht, als sie mit vielen anderen Menschen auf den Zaun geklettert seien, erklärte nun die EGMR-Kammer. Sie seien damit bewusst nicht über einen legalen Weg eingereist.

mrc/dpa
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