Mexiko Migranten nähen sich aus Protest die Münder zu

2021 stieg die Zahl der Asylsuchenden in Mexiko stark – viele Migranten scheitern beim Versuch, weiter in die USA zu gelangen. Weil ihre Lage prekär ist, setzten einige nun ein dramatisches Zeichen.
Eine Migrantin lässt sich aus Protest die Lippen zunähen

Eine Migrantin lässt sich aus Protest die Lippen zunähen

Foto: JOSE TORRES / REUTERS

Aus Protest gegen die Einwanderungsbehörden haben sich etwa ein Dutzend Migrantinnen und Migranten im Süden Mexikos die Münder zugenäht. Die Demonstrierenden, die unter anderem aus Kuba und Venezuela stammen, versammelten sich am Dienstag vor der zuständigen Behörde in Tapachula im Bundesstaat Chiapas, wie örtliche Medien berichteten. Sie forderten die umgehende Ausstellung von Papieren zur Weiterreise in den Norden an die Grenze zu den USA.

»Wir demonstrieren, damit wir weiter nach Monterrey (Norden) kommen und dann über die Grenze können. Aber ich habe einen Termin in drei oder vier Monaten bekommen und kein Geld, um so lange zu warten«, sagte der Venezolaner Rafael Hernández. Der Aktivist Irineo Mújica, der die Demonstration begleitete, sagte, die Behörden antworteten nicht und täten »nichts, um die Migration zu regulieren«.

Zahlreiche Schutzsuchende aus Süd- und Mittelamerika fliehen vor Gewalt und Armut in ihren Ländern und versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Seit der Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten im November 2020 hat sich die Zahl der Migranten erhöht. Die mexikanischen Behörden verstärkten ihre Kontrollen, um einen weiteren Anstieg zu verhindern.

Verdopplung der Asylanträge in zwei Jahren

2021 hat Mexiko die mit Abstand höchste Zahl an Asylanträgen in seiner Geschichte registriert. Von Januar bis Dezember 2021 wurden 131.448 Anträge gestellt, wie die Flüchtlingsbehörde Comar im Januar mitteilte. Die bisherige Rekordmarke von 2019 – damals waren es gut 70.000 Anträge gewesen – hat sich damit fast verdoppelt. Zum häufigsten Herkunftsland mit fast 52.000 Asylsuchenden avancierte Haiti, gefolgt von Honduras.

Viele Antragsteller hatten vermutlich zunächst versucht, in das Nachbarland USA zu gelangen. Die Zahl der Migrantinnen und Migranten, die beim Versuch einer illegalen Einreise an der US-Südgrenze aufgegriffen wurden, stieg im vergangenen Jahr stark an.

Die Vereinigten Staaten hatten unter Biden jedoch die weitgehende Abriegelung der Landgrenze beibehalten – begründet wird dies mit der Gefahr einer Einschleppung des Coronavirus. Zudem musste die Regierung Biden auf gerichtliche Anordnung eine weitere Regelung aus Trump-Zeiten wiedereinführen: Demnach müssen Asylsuchende, die über die Südgrenze in die USA einreisen wollen, für die Dauer ihrer Verfahren in Mexiko bleiben.

Weil die mexikanischen Sicherheitskräfte in Absprache mit den USA Migranten auf dem Weg aus Mittelamerika Richtung Norden aufhalten, stecken zudem viele Menschen im Süden Mexikos fest. Mit dem Asylantrag in Mexiko wollen manche Migranten erreichen, dass sie sich in dem Land frei bewegen und arbeiten können – um die Weiterreise in die USA gegebenenfalls später zu versuchen.

mrc/AFP
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