Tonaufnahmen aufgetaucht Mexikos Generalstaatsanwalt manipulierte offenbar Justiz, um seine Nichte einzusperren

Hat sich Mexikos Generalstaatsanwalt in einen Entscheid des Obersten Gerichtshofs eingemischt? Aufnahmen eines Anrufs weisen auf einen persönlichen Rachefeldzug hin – es wäre nicht der erste Skandal in seiner Karriere.
Die Plaza de la Constitución in Mexiko-Stadt (Symbolbild): Der Generalstaatsanwalt erhebt schwere Anschuldigungen unter anderem gegen seine 95-jährige Schwägerin

Die Plaza de la Constitución in Mexiko-Stadt (Symbolbild): Der Generalstaatsanwalt erhebt schwere Anschuldigungen unter anderem gegen seine 95-jährige Schwägerin

Foto: HENRY ROMERO/ REUTERS

Die Tochter seiner Schwägerin war bereits im Gefängnis – doch der Oberste Gerichtshof wollte sie nicht dort behalten. Damit war Mexikos Generalstaatsanwalt offenbar nicht einverstanden: Laut Nachrichtenagentur AP und verschiedenen Zeitungen wie etwa »El País«  sind Aufnahmen  aufgetaucht, in denen er über einen Richter des Obersten Gerichtshofs schimpft.

Die Stimme wurde angeblich bereits als die des Generalstaatsanwalts Alejandro Gertz Manero identifiziert. Sie bezeichnet dessen Nichte als »Arschloch« und fragt einen Assistenten, wie man Berufungen einlegen könne, um deren Freilassung zu verhindern.

Vorwurf: »Tötung durch Unterlassen«

Gertz Manero macht die Familie seiner Schwägerin verantwortlich für den Tod seines Bruders im Jahr 2015. Der starb im Alter von 82 Jahren, offenbar eines natürlichen Todes. Manero aber behauptet, die Familie seiner Schwägerin habe ihn nicht angemessen medizinisch versorgt. Die 95-jährige Lebensgefährtin seines verstorbenen Bruders musste aufgrund ihres Alters nicht ins Gefängnis – anders ihre 69-jährige Tochter: Sie wartet seit mehr als einem Jahr auf ihren Prozess wegen »Tötung durch Unterlassen«.

Das Büro von Gertz Manero äußerte sich nicht dazu, ob die Aufnahmen echt sind. Es kündigte gegenüber lokalen Medien aber bereits Untersuchungen zur Weitergabe der Aufnahmen an.

Der Oberste Gerichtshof hatte in einem Gutachten laut AP die Freilassung der Nichte des Generalstaatsanwalts empfohlen. Die Tonaufnahmen deuten darauf hin, dass Gertz Manero vorab Einblick erhalten hatte. Sollte es sich tatsächlich um Gertz Maneros Stimme handeln, dann wären die Aufnahmen ein Beleg für einen persönlichen Rachefeldzug. Die Aufnahmen lassen außerdem vermuten, dass Gertz Manero oder seine Mitarbeiter das Urteil persönlich mit Mitgliedern des Obersten Gerichtshofs besprochen haben.

Gertz Manero wurde bereits in der Vergangenheit in mehreren Fällen beschuldigt, sein Amt als Generalstaatsanwalt missbraucht zu haben. So versuchte er, 31 Akademiker in ein Hochsicherheitsgefängnis zu sperren, mit der Begründung, sie hätten unrechtmäßig staatliche Forschungsgelder erhalten. Nach den damaligen Gesetzen war eine solche Finanzierung zulässig. Nach Angaben der Forscher waren die Mittel nicht missbräuchlich verwendet worden.

ime/AP
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