Verstorbener Ex-Sowjetstaatschef Trauerfeier für Gorbatschow am Samstag in Moskau

Michail Gorbatschow wird am Wochenende mit einer Trauerfeier in Moskau geehrt. Das teilte seine Tochter Irina mit. Der Gedenkort nahe dem Kreml war bereits in der Vergangenheit für berühmte Politiker reserviert.
Niedergelegte Blumen am Sitz von Michail Gorbatschows Stiftung in Moskau

Niedergelegte Blumen am Sitz von Michail Gorbatschows Stiftung in Moskau

Foto: Alexander Zemlianichenko / dpa

Michail Gorbatschow ist im Alter von 91 gestorben . Der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef soll am Samstag in Moskau beerdigt werden. Für die Trauerfeier sei das in der Nähe des Kreml liegende »Haus der Gewerkschaften« mit seinem Säulensaal genehmigt worden, teilte Gorbatschows Tochter Irina der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Ob es ein Staatsbegräbnis gibt, konnte sie allerdings nicht sagen.

Nach Angaben von Gorbatschows Stiftung ist die Trauerfeier für den Zeitraum zwischen 10.00 und 14.00 Uhr Ortszeit angesetzt und demnach »offen für alle«.

Das »Haus der Gewerkschaften« war traditionell Ort für Trauerfeiern für die Staatschefs in der Sowjetunion. So wurden hier unter anderem die Leichname von Sowjetgründer Lenin und seinem Nachfolger Stalin aufgebahrt, damit das Volk von ihnen Abschied nehmen konnte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde erst 2015 mit dem russischen Ex-Premier Jewgeni Primakow wieder ein hochrangiger Politiker im Säulensaal aufgebahrt.

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Michail Gorbatschow – Stationen seines Politikerlebens

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Nach der Trauerfeier soll Gorbatschow auf dem Neujungfrauenfriedhof für Prominente beerdigt werden, neben seiner Frau Raissa, die schon 1999 gestorben war. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der größtenteils gekappten Flugverbindungen gilt es als unklar, ob überhaupt internationale Gäste zu einem Staatsbegräbnis nach Moskau kommen würden.

»Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung so nicht gegeben«

»Ich glaube, das ist jetzt nicht der Ort oder der Zeitpunkt, um über Reisen zu reden«, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz zu einer möglichen Teilnahme an der Trauerfeier. »Ich hoffe, dass der russische Staat seinem früheren Staats- und Regierungschef die Ehre erweist, die ihm gebührt«, sagte der SPD-Politiker.

In Deutschland werden derweil Stimmen laut, Gorbatschow auch hier die Ehre zu erweisen. Denkbar wäre eine Feierstunde im Bundestag, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, dem SPIEGEL. »Deutschland sollte in jedem Fall eine eigene Würdigung von Gorbatschow vornehmen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung so nicht gegeben.«

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) unterstützt den Vorschlag. »Unser Land hat Michail Gorbatschow viel zu verdanken. Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird«, sagte sie dem SPIEGEL.

Gorbatschow galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges. Während er im Westen gewürdigt wird, ist er in Russland für viele der ungeliebte Totengräber des Sowjetimperiums.

mrc/dpa
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