Kreml benennt »Terminprobleme« Putin wird Trauerfeier für Gorbatschow fernbleiben

Michail Gorbatschow wird am Wochenende mit einer Trauerfeier in Moskau geehrt. Präsident Putin kommt allerdings nicht.
Wladimir Putin am offenen Sarg von Michail Gorbatschow

Wladimir Putin am offenen Sarg von Michail Gorbatschow

Foto: Russian pool / AP / dpa

Am Wochenende wird Michail Gorbatschow in Moskau beerdigt. Russlands Präsident Wladimir Putin wird an der Würdigung des ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef jedoch nicht teilnehmen. Das teilte der Kreml in Moskau mit. Grund dafür seien Überschneidungen im Terminkalender Putins, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow.

Laut Peskow habe Putin dem Verstorbenen bereits die letzte Ehre erwiesen. Demnach sei er heute Morgen im Moskauer Zentralkrankenhaus gewesen, wo Gorbatschow am Dienstag verstarb.

Die Trauerfeier für Gorbatschow soll am Samstag im Säulensaal im »Haus der Gewerkschaften« unweit des Kreml stattfinden. Nach Angaben von Gorbatschows Stiftung ist die Trauerfeier für den Zeitraum zwischen 10.00 und 14.00 Uhr Ortszeit angesetzt und demnach »offen für alle«.

Beerdigung auf dem Neujungfrauenfriedhof

Das »Haus der Gewerkschaften« war traditionell Ort für Trauerfeiern für die Staatschefs in der Sowjetunion. So wurden hier unter anderem die Leichname von Sowjetgründer Lenin und seinem Nachfolger Stalin aufgebahrt, damit das Volk von ihnen Abschied nehmen konnte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde erst 2015 mit dem russischen Ex-Premier Jewgenij Primakow wieder ein hochrangiger Politiker im Säulensaal aufgebahrt.

Nach der Trauerfeier soll Gorbatschow auf dem Neujungfrauenfriedhof für Prominente beerdigt werden, neben seiner Frau Raissa, die schon 1999 gestorben war. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und der größtenteils gekappten Flugverbindungen gilt es als unklar, ob überhaupt internationale Gäste zu einem Staatsbegräbnis nach Moskau kommen würden.

In Deutschland werden derweil Stimmen laut, Gorbatschow auch hier die Ehre zu erweisen. Denkbar wäre eine Feierstunde im Bundestag, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, dem SPIEGEL. »Deutschland sollte in jedem Fall eine eigene Würdigung von Gorbatschow vornehmen. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung so nicht gegeben.« »Es sollte ein besonderes Gedenken geben, weil Michail Gorbatschow einen wichtigen Beitrag zu Frieden, Abrüstung und der deutschen Einheit geleistet hat«, sagte auch der Linkenpolitiker Gregor Gysi dem SPIEGEL.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) unterstützt den Vorschlag. »Unser Land hat Michail Gorbatschow viel zu verdanken. Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird«, sagte sie dem SPIEGEL.

mrc/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.