Ex-Präsident Georgiens im Gefängnis Ärzte befürchten baldigen Tod von Micheil Saakaschwili

Georgiens inhaftierter Ex-Präsident ist schon zweimal in den Hungerstreik getreten. Nun warnen Ärzte, er werde sterben. Ein politischer Gegner spottet, Saakaschwili solle zur Genesung »Eier und Hüttenkäse essen«.
Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili (Aufnahme vom November 2021)

Georgiens Ex-Präsident Saakaschwili (Aufnahme vom November 2021)

Foto: Irakli Gedenidze / REUTERS

Ärzte befürchten den baldigen Tod von Georgiens früherem Staatschef Micheil Saakaschwili. Der inhaftierte und gesundheitlich angeschlagene 54-Jährige droht nach Ansicht mehrerer Mediziner zu sterben, falls er nicht umgehend angemessen behandelt wird.

Mehrere unabhängige Ärzte erklärten am Freitag nach einer Untersuchung Saakaschwilis im Gefängnis, dieser leide an einer Reihe von Krankheiten, unter anderem an Essstörungen und an der Wernicke-Enzephalopathie, einer schwerwiegenden neurologischen Erkrankung. Er müsse »dringend« in eine moderne Klinik gebracht werden, um »frei von Stressfaktoren« versorgt zu werden. Andernfalls drohten ihm Demenz, multiples Organversagen und der Tod.

Der im Oktober 2021 in Georgien verhaftete Saakaschwili war bereits zweimal wochenlang im Hungerstreik, um gegen die aus seiner Sicht politisch motivierte Inhaftierung zu protestieren.

Staatliche Stellen in Georgien haben sich mehrfach spöttisch über die Sorgen der Ärzte geäußert. Irakli Kobachidse, Vorsitzender des regierenden Parteibündnisses »Georgischer Traum«, sagte Reportern in dieser Woche, Saakaschwili sei nur »verärgert«, weil sich seine Lebensqualität hinter Gittern verschlechtert habe. Der Ex-Präsident müsse »Eier und Hüttenkäse essen, dann wird alles wieder gut«.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Saakaschwilis Behandlung durch die georgische Regierung als »offensichtliche politische Rache« bezeichnet. Georgien strebt wie die Ukraine eine EU-Mitgliedschaft an und wirbt auch um Aufnahme in der Nato.

Saakaschwili war von 2004 bis 2013 Präsident Georgiens. In seine Amtszeit fiel der Kaukasuskrieg im Jahr 2008 zwischen Tiflis und Moskau um die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien, bei dem Georgien unterlag. In beiden Regionen unterhält Russland seither eine starke Militärpräsenz.

Saakaschwili war im vergangenen Oktober wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs festgenommen worden, als er nach einem langen Exil, das er vor allem in der Ukraine verbracht hatte, in seine Heimat zurückkehrte. In der Ukraine war er unter anderem Reformbeauftragter von Präsident Wolodymyr Selenskyj und Gouverneur der Region Odessa gewesen.

Der prowestliche Politiker weist alle Vorwürfe gegen sich als politisch motiviert zurück. Menschenrechtsaktivisten werfen der georgischen Regierung vor, politische Gegner mit Strafverfahren zu überziehen.

als/AFP