Mahmadou Fall, ein ehemaliger Schmuggler an Senegals Küste

Mahmadou Fall, ein ehemaliger Schmuggler an Senegals Küste

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Migration über den Atlantik Auf der Todesroute

Mehr als 4000 Menschen haben im vergangenen Jahr zwischen Westafrika und den Kanaren ihr Leben verloren. In Pirogen aus Holz versuchen sie die gefährliche Überfahrt. Was kann man dagegen tun?
Aus dem Senegal berichten Heiner Hoffmann und Ricci Shryock
Globale Gesellschaft

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Das Schreiben der Deutschen Botschaft, datiert auf den 16.11.2021, ist zerknittert. Mamadou Niang hat es oft in den Händen gehalten. Er hat es Freunden und Bekannten gezeigt, die sich auskennen. »Der Visumsantrag wird abgelehnt«, steht gleich auf der ersten Seite. Die Begründung folgt auf Seite zwei: Niang habe widersprüchliche Aussagen über den Zweck des geplanten Aufenthaltes getroffen. Sein Traum von der legalen Einreise nach Europa ist geplatzt.

»Ich wollte eine Arbeit finden, eine bessere als hier«, sagt er. Immer wieder öffnet er Dokumente auf seinem alten Laptop, zeigt zum Beispiel einen kleinen Ausweis, der ihn als Import-Export-Unternehmer ausweist. Ihm ist unerklärlich, warum das für ein Visum nicht ausreicht.

Mamadou Niang vor seinem Elektronikladen in Gandiol

Mamadou Niang vor seinem Elektronikladen in Gandiol

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Der 36-Jährige sitzt an einem handgezimmerten Holztisch, mit rotem Buntstift hat jemand »Die Jugend Senegals« darauf geschrieben. Auf dem Betonfußboden liegen überall alte Zettel und Verpackungen, an der Rückwand des Raumes hängen Schutzhüllen und Ladekabel für Handys, daneben Festplatten und Kopfhörer. Niang betreibt einen kleinen Elektronikladen an der Hauptstraße von Gandiol, im äußersten Norden Senegals. Doch kein Kunde kommt an diesem Nachmittag in seinen Laden, der Jugend Senegals fehlt das Geld.

Niang klappt eilig den Laptop zu, hastet nach draußen, verschließt mit einem schweren Vorhängeschloss die Metalltür seines Ladens. Ein paar Meter entfernt wartet eine Autokolonne mit aufmontierten Lautsprechern, er bekommt ein Mikro in die Hand gedrückt. Es sind Kommunalwahlen im Senegal und er soll Werbung für einen der Kandidaten machen. Versprechungen aufsagen, eine rosige Zukunft ankündigen. Ein kleiner Job, immerhin. Dabei glaubt Niang selbst schon lange nicht mehr an eine rosige Zukunft.

Zweimal hat er bereits versucht, nach Europa zu kommen, ohne Visum, in einem völlig überladenen Holzboot. 1500 Kilometer Seeweg sind es von Senegals Hauptstadt Dakar auf die Kanaren, den Außenposten Europas. Das heißt: mindestens fünf Tage auf dem Meer – oder du stirbst.

2007 hat Niang es geschafft, er erinnert sich an erstaunliche Details seines knapp einmonatigen Aufenthaltes. Nach seiner Ankunft habe er von den spanischen Sicherheitskräften Turnschuhe bekommen, »Freiheit« stand darauf. Doch die Freiheit währte nicht lange.

Dutzende Holzboote kamen in jenen Jahren 2006 und 2007 auf den Kanaren an, das Wort »Fährverkehr« machte die Runde. Senegal und Spanien gerieten unter Druck, schlossen eilig ein Abkommen. Niang wurde zurückgeschickt.

Viele junge Senegalesen glauben nicht an eine Zukunft im Land – sie versuchen es in Pirogen nach Europa

Viele junge Senegalesen glauben nicht an eine Zukunft im Land – sie versuchen es in Pirogen nach Europa

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Dann wurde es vergleichsweise still auf dem Atlantik, die Grenzen wurden dichter, die senegalesische Küstenwache zum Torwächter Europas, die Holzboote weniger. Doch inzwischen ist die Migration über den Atlantik zurück: 23.000 sogenannte irreguläre Migranten wurden 2020 auf den Kanaren registriert, 2021 kamen fast genauso viele an. Auch weil andere Routen, zum Beispiel über das Mittelmeer, mittlerweile schwerer zu passieren sind.

Viele der Menschen auf den Booten verloren zudem im Lockdown ihre Arbeit, sehen im Senegal oder den Nachbarländern Guinea und Gambia keine Zukunft mehr, auch aus Marokko kommen Tausende. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex stuft die überwiegende Mehrzahl der angekommenen Migranten auf den Kanaren als »unspezifizierte Staatsangehörige Subsahara-Afrikas« ein. So füllten sich die Lager auf den Inseln, die EU geriet wieder einmal in den Krisenmodus.

Zwar ist das Thema wieder aus den Nachrichten verschwunden, dabei hat sich an der Lage nichts geändert. Im Gegenteil. Im vergangenen Jahr gab es laut der spanischen Nichregierungsorganisation Caminando Fronteras so viele Todesopfer auf der Atlantikroute wie nie zuvor. Das Hilfswerk zählte 4016 Tote – das entspricht mehr als sechs abgestürzten voll besetzten A380. Doch niemand kann verlässlich sagen, wie viele Menschen tatsächlich von der Küste Westafrikas aufgebrochen sind. Es gibt keine Wracks, nicht einmal Leichen. Die meisten Boote verschwinden am Horizont und werden nie wiedergesehen.

Fischer in Mbour lassen ein Holzboot zu Wasser

Fischer in Mbour lassen ein Holzboot zu Wasser

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Auch Mamadou Niang hätte fast seinen Tod auf dem Meer gefunden. In der Nacht des 25.10.2020 versuchte er es ein zweites Mal. Kurz vor Mitternacht legte das Holzboot in der Nähe der Hauptstadt Dakar ab, an Bord wohl mehr als 80 Männer. Doch es gab ein großes Problem, erzählt Niang: »Unser GPS war kaputt, also mussten wir Taschenlampen benutzen, um uns an der Uferlinie zu orientieren.« Es habe nicht lange gedauert, da sei ein Schiff der Guardia Civil aufgetaucht. Die spanische Küstenwache unterstützt den Senegal im Kampf gegen die Migration, hat mehrere Patrouillenboote im Land stationiert.

Die EU und Spanien haben Millionen Euro in den Grenzschutz investiert, es gibt Luftüberwachung, Frontex betreibt sogar eine Art Geheimdienstzentrum im Senegal. Die spanische Zeitung El País berichtet  unter Berufung auf Ministeriumsdokumente, dass auch in Mauretanien inzwischen die Hälfte der Boote abgefangen werde. 8.000 Migranten seien bis Oktober vergangenen Jahres an der Reise Richtung Kanaren gehindert worden. Auf eine SPIEGEL-Anfrage zu dem von Mamadou Niang geschilderten Unglück im Oktober 2020 hat die Guardia Civil nicht reagiert.

Mamadou Niang

Mamadou Niang

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

»Wir wollten entkommen, doch unsere Piroge war nicht schnell genug«, erinnert sich Niang. Irgendwann sei klar gewesen: sie haben keine Chance, es blieb nur die Umkehr. Also änderte der Kapitän den Kurs, zurück Richtung Dakar. Dann, so schildern es mehrere Überlebende, sei plötzlich die senegalesische Küstenwache aufgetaucht. Ab diesem Moment gehen die Schilderungen auseinander. Die Behörden sprechen von einem Zusammenstoß, Niang und andere Augenzeugen sagen: »Sie haben uns absichtlich gerammt.«

Fest steht: 39 Menschen wurden in jener Nacht aus dem Wasser gezogen. Alle anderen haben es nicht geschafft, die genaue Todeszahl ist unklar, Niang spricht von mehr als 50. »Wir haben 30 Minuten lang nach Hilfe gerufen, bis sie uns endlich retteten«, erzählt er.

Die Abschottung Europas – für Mamadou Niang endete sie in einem Überlebenskampf. Und kurz darauf folgte der nächste Kampf: um Gerechtigkeit. Der Ladenbesitzer suchte monatelang nach weiteren Überlebenden, schaltete einen Anwalt ein, wollte die Verantwortlichen vor Gericht bringen. Doch dazu kam es nie. »Es ist aussichtslos«, sagt Niang.

Er konzentriert sich lieber wieder auf den Plan, irgendwie nach Europa zu kommen. Unruhig rutschen seine ausgetretenen Nike-Badelatschen unter dem weißen Plastikstuhl hin und her. Fast wäre er vor Kurzem noch einmal auf ein Boot gestiegen, hätte die knapp 500 Euro für eine Überfahrt berappt. Doch seine Frau und die Kinder hielten ihn in letzter Sekunde davon ab. Zu groß war ihre Sorge, dass er diesmal sein Leben verlieren könnte. Also versucht Niang es nun auf dem legalen Weg, Visumsantrag für Deutschland – erfolglos. Jetzt hat er Einspruch eingelegt. »Wenn auch der abgelehnt wird, sitze ich wieder in einem Boot, kein Zweifel«, sagt er zum Abschied. Er sagt das so nüchtern, als ginge es um eine Busfahrt in die nächste Stadt.

Egal, in welches Dorf an Senegals Küste man fährt, egal, mit welcher Familie man spricht: Die Narben der Migrationsversuche nach Europa sind allgegenwärtig. Alle erzählen von Menschen, die es versucht haben und gescheitert sind. Europas Politik der geschlossenen Außengrenzen kostet viele Menschenleben, doch sie bleibt gleichzeitig erschreckend ineffizient. Denn trotz all der Kampagnen vor Ort, trotz der Präsenz europäischer Patrouillenboote bleibt die Atlantikroute frequentiert.

Mame Samb: Ihr Bruder ist im August 2021 nach Europa aufgebrochen, seither ist er verschollen

Mame Samb: Ihr Bruder ist im August 2021 nach Europa aufgebrochen, seither ist er verschollen

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Es entstehen nur andere Wege. Die meisten Boote legen wegen der verschärften Kontrollen nicht mehr im Senegal ab. Die Migranten reisen mittlerweile nach Mauretanien, um von dort überzusetzen. Oder noch weiter in den Norden, nach Marokko. Die Routen haben sich verschoben, die Tragödien bleiben die gleichen.

Mame Samb sitzt mit ihrer verschmierten Jeans auf gestapelten Holzbrettern, sie braucht eine kurze Pause. Noch vor wenigen Minuten hat sie Lehm mit Wasser vermischt – als Baumaterial für ein neues Gemeindezentrum in Gandiol. Das Projekt wird unterstützt mit Geldern aus Spanien, für Samb bedeutet das immerhin einen befristeten Arbeitsplatz auf dem Bau. Ihr Bruder Ousseynou war auch in der Branche tätig, er betrieb einen kleinen Baumarkt. Doch die Geschäfte liefen nicht gut, vor allem während der Pandemie.

Also berief der 26-Jährige an einem Abend im August 2021 den Familienrat ein und verkündete: »Ich werde es nach Spanien versuchen.« Samb und ihr Bruder gerieten aneinander, die Schwester machte sich große Sorgen, wollte Ousseynou von seinem Vorhaben abbringen. Doch die Eltern waren einverstanden, sie beteten gemeinsam. Am nächsten Tag begann seine Reise. Auf dem Landweg fuhr er nach Mauretanien, es sind nur wenige Kilometer Richtung Norden.

Dort funktionierte seine senegalesische Mobilnummer nicht mehr, die Familie hörte tagelang nichts von ihm. Dann kam plötzlich ein Anruf von einer unbekannten Nummer, es war Ousseynou. »Heute Abend steige ich auf ein Boot«, verkündete er. Es war das letzte Mal, dass Mame Samb mit ihrem Bruder gesprochen hat. »Er ist kein Fischer, er kennt sich auf dem Wasser nicht aus. Ich wusste, dass es eine schlechte Idee war«, sagt sie mit erstickter Stimme.

»Mit den Menschen hier über Migration zu sprechen, ist ein großes Problem.«

Mamadou Dia

15 Tage lang wartete die Familie auf ein Lebenszeichen. Auf einen Anruf oder eine Textnachricht: »Bin angekommen.« Es kam nichts. Wie so oft waren es die Fischer, die am Ende die Nachricht übermittelten: Das Boot ist verschollen, spurlos verschwunden. Niemand hier in Gandiol sagt, dass verschwundene Angehörige ihren Tod gefunden haben. Das Leid bleibt unter der Oberfläche, begraben unter einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung.

»Ich stelle mir oft vor, was er auf dem Meer erleben muss, wie schwer er es hat«, sagt Mame Samb. Natürlich weiß sie, wie unwahrscheinlich es ist, dass Ousseynous Boot noch immer unterwegs ist. Es wären Monate auf See. Doch aussprechen will sie das nicht. Ihre Mutter weint jeden Abend, sie ist an dem ungewissen Schicksal ihres Sohnes zerbrochen.

»Mit den Menschen hier über Migration zu sprechen, ist ein großes Problem«, sagt Mamadou Dia. Niemand weiß das besser als er. Dia hat es 2006 selbst per Boot nach Spanien geschafft, hat dort jahrelang gearbeitet. Irgendwann fing er an, ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben, wurde zum gefragten Redner in ganz Europa. Bis er 2013 beschloss, in seine Heimatstadt Gandiol zurückzukehren.

Hahatay unterscheidet sich von vielen anderen Projekten, die vor allem in Europa am Reißbrett entworfen werden – und sich allein um Migrationsabwehr drehen. »Sie wollen immer, dass wir über die Gefahren der Bootsmigration sprechen«, sagt Mamadou Dia. »Aber das ist völlig sinnlos. Alle hier wissen doch, wie gefährlich es ist. Wir brauchen keine Aufklärung, wir brauchen Chancen.«

Die will er mit seinem Projekt bieten. Doch eines ist dem Rückkehrer wichtig: es gehe nicht darum, Migration zu verhindern. »Hier im Senegal sprechen die Behörden immer von illegaler Migration, das finde ich schrecklich. Das ist ein rein europäisches Narrativ. Wenn ein Europäer auf dem Fahrrad in den Senegal fährt, ist er ein Held. Wenn ein Senegalese per Boot nach Europa fährt, ist er ein Illegaler«, kritisiert Dia.

Mamadou Dia glaubt an eine Zukunft im Senegal

Mamadou Dia glaubt an eine Zukunft im Senegal

Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Seine Dreadlocks wippen hin und her, während er energisch gestikuliert. Es ist nicht einfach, in Ruhe mit ihm zusammenzusitzen: Dia ist ständig unterwegs, fährt in seinem SUV von einem Projekt zum nächsten, alle paar Meter muss er anhalten und mit Bekannten Smalltalk halten. Jeder in Gandiol kennt Mamadou Dia.

Der Rückkehrer ist sich sicher: Mit Zäunen und Küstenwachen lässt sich Migration nicht aufhalten. Monat für Monat würden weiterhin Boote ablegen, mit jungen Männern an Bord in Richtung Spanien. Dabei gilt Senegal in der Region noch als Musterland, plant Megaprojekte wie eine neue Satellitenstadt vor den Toren Dakars, inklusive Hochgeschwindigkeitszug.

Senegal: In der Stadt fährt ein Hochgeschwindigkeitszug, auf dem Land sind Pferdekarren unterwegs

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Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Doch die ländlichen Regionen profitieren davon kaum, und auch in der Hauptstadt sind die meisten Jobs im informellen Sektor. Während der Pandemie ist der Tourismus eingebrochen, auch andere Wirtschaftszweige litten. Fast 40 Prozent der senegalesischen Bevölkerung lebt in extremer Armut, vor allem die Jugend spürt die Perspektivlosigkeit.

Und die Situation im Senegal hat eine besondere Ironie: Denn viele der Menschen an Bord der Pirogen Richtung Europa sind Fischer – oder besser gesagt: waren es. Und die EU trägt laut Organisationen wie Greenpeace selbst dazu bei, dass sie ihre Existenz verloren haben.

Und so kommt es, dass Europa laut Kritikern einerseits Fluchtursachen begünstigt, andererseits Millionensummen ausgibt, um sie zu bekämpfen. Besonders aktiv im Senegal ist die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie betreibt mehrere Zentren, in denen junge Menschen in handwerklichen Berufen ausgebildet und bei Unternehmensgründungen beraten werden. »Réussir au Sénégal«, heißt eines der Projekte, »Erfolgreich im Senegal«.

»Vor Kurzem wollte jemand von uns Unterstützung bekommen, um ein eigenes Fischerboot zu kaufen«, erzählt GIZ-Programmdirektor Michael Wahl. »Doch die Fischerei hat im Senegal keine Zukunft, wir müssen Alternativen aufzeigen.« Europa gibt, Europa nimmt.

Immerhin: »Erfolgreich im Senegal« hat seit dem Start der Initiative mehr als 27.000 Menschen unterstützt, etwa 3.600 davon haben einen festen Job gefunden. »Wir wollen die Einstellung der Leute ändern, wir wollen, dass sie an eine Zukunft im Senegal glauben«, sagt Wahl. Doch viele Ideen bleiben leider Luftschlösser: »Ich weiß zwar jetzt, wie ich mit Geld umgehen kann, aber ich habe kein Geld, mit dem ich umgehen könnte«, schmunzelt ein Fischer, der an einem derartigen Training teilgenommen hat.

Laut Umfragen spielt eine Mehrheit der Senegalesinnen und Senegalesen mit dem Gedanken, das Land zu verlassen

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Foto: Ricci Shryock / DER SPIEGEL

Ja, eine Finanzierung zu finden sei für Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer ein großes Problem, räumt der Programmdirektor ein. Die GIZ gibt in der Regel selbst kein Geld – und einen Kredit bei der Bank zu bekommen, ist im Senegal für die meisten ein aussichtsloses Unterfangen. Ebenso wie einen geregelten Job zu ergattern.

Eine sinnvolle Alternative wäre es laut Experten, Fachkräfte im Senegal auszubilden und dann legal nach Europa reisen zu lassen – wo sie dringend gebraucht würden. Dann könnten sie einen Teil ihres Einkommens an die Familien in der Heimat schicken, was wiederum nachweislich zur Entwicklung des Landes beitragen würde. Doch um das im großen Rahmen umzusetzen, fehlt schlicht der politische Wille.

Und so bleibt Menschen wie Mamadou Niang aus Gandiol nur der Weg über das Meer. 1648 Menschen sind in den ersten drei Wochen dieses Jahres bereits mit Pirogen auf den Kanaren angekommen. Wie viele es in der gleichen Zeit nicht geschafft haben, weiß niemand.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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