Flucht in die USA Zerschundene Füße, zerfetzte Seelen

Der sechstägige Fußmarsch durch den Urwald von Darién endet oft tödlich. Trotzdem machen sich derzeit Zehntausende Menschen aus Haiti auf den Weg. Die Bilder.
Von Nicola Abé und Santiago Mesa (Fotos)
Völlig erschöpft: Migrantinnen aus Haiti erreichen nach der Durchquerung des Darién Gap das Dorf Bajo Chiquito

Völlig erschöpft: Migrantinnen aus Haiti erreichen nach der Durchquerung des Darién Gap das Dorf Bajo Chiquito

Foto: Santiago Mesa / DER SPIEGEL
Globale Gesellschaft

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Sie haben tagelang nichts gegessen. Ihre Beine und Füße sind von Abschürfungen übersät. Viele wurden ausgeraubt oder Schlimmeres. Der Weg durch den Urwald von Darién ist für Migrantinnen und Migranten eine hochgefährliche Route. Der dichteste Dschungel der Welt verbindet Kolumbien mit Panama. Wer aus Südamerika in die USA will und nicht die Möglichkeit hat, den Darién Gap in einem Flugzeug oder Boot zu umgehen, muss ihn zu Fuß durchlaufen.

Früher taten das einige Tausend Erwachsene im Jahr. Doch nun sind die Zahlen geradezu explodiert: Bis Oktober 2021 nahmen schon mehr als 90.000 Menschen die Reise auf sich, oft Familien mit kleinen Kindern. Dass der Strom abreißt, ist kaum zu erwarten: Auf der kolumbianischen Seite warten in dem Küstenort Necoclí bereits rund 20.000 Menschen auf eine Bootsfahrt über den Golf von Uraba – von dort aus beginnt der Marsch in den Regenwald.

Warten auf ein Ticket, um zum Darién Gap zu gelangen – eine für viele traumatisierende oder gar tödliche Tortur

Warten auf ein Ticket, um zum Darién Gap zu gelangen – eine für viele traumatisierende oder gar tödliche Tortur

Foto: Santiago Mesa / DER SPIEGEL

Die allermeisten der Wartenden sind Menschen aus Haiti. Sie haben zuvor meist jahrelang in Chile oder Brasilien gelebt und gearbeitet. Doch mit der Pandemie und der Wirtschaftskrise wurde ihr Leben in diesen Ländern deutlich schwieriger. Viele verloren ihre Jobs oder wurden angefeindet. Nun träumen sie von einem besseren Leben in den USA.

Nur langsam sickert durch, dass die Vereinigten Staaten die Migrantinnen und Migranten inzwischen zu Tausenden per Flugzeug abschieben – zurück nach Haiti, ihre Heimat, die sie vor langer Zeit verlassen hatten.

Die meisten kehren dennoch nicht um. Zu viel haben sie schon in die Reise investiert. Sie können nicht mehr zurück, zumindest gefühlt.

Sehen Sie hier, wie es den Menschen vor und nach dem Trip durch die grüne Hölle des Urwalds von Darién geht.

Fotostrecke

»Warum habe ich überlebt?«

Foto: Santiago Mesa / DER SPIEGEL

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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