In Moskau verurteilter US-Bürger US-Außenminister Pompeo verlangt Paul Whelans sofortige Freilassung

Paul Whelan soll in Russland spioniert haben, ein Moskauer Gericht verurteilte den Amerikaner nun zu 16 Jahren Lagerhaft. Die US-Regierung sieht darin einen Justizskandal, der das Verhältnis zu Russland weiter belastet.
Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau: Er will das Urteil anfechten

Paul Whelan im Gerichtssaal in Moskau: Er will das Urteil anfechten

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Sofia Sandurskaya/ dpa

Mit der Beziehung zwischen den USA und Russland steht es ohnehin nicht zum Besten. Der Schuldspruch eines Moskauer Gerichts gegen den US-Bürger Paul Whelan dürfte das Verhältnis beider Staaten nun zusätzlich belasten.

"Die USA sind entrüstet über die heutige Entscheidung eines russischen Gerichts, den US-Bürger Paul Whelan nach einem geheimen Prozess, mit geheimen Beweisen und ohne angemessene Berücksichtigung von Entlastungszeugen zu verurteilen", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo. Er forderte Whelans sofortige Freilassung.

Der Umgang der russischen Behörden mit dem früheren US-Marineinfanteristen sei "schockierend", sagte Pompeo. Whelan sei ein fairer Prozess verweigert worden. Außerdem habe Russland "sein Leben aufs Spiel gesetzt", indem es Gesundheitsprobleme, unter denen Whelan seit Langem leide, "ignoriert" habe.

John Sullivan, Botschafter der USA in Russland, sagte, der Schuldspruch werde der Beziehung beider Länder schaden. Sullivan nannte den Prozess eine ungeheuerliche Verletzung von Menschenrechten und internationalen Justizstandards. Auch er verlangte, Whelan unverzüglich freizulassen.

Wurde Whelan Opfer eines Hinterhalts?

Ein Moskauer Gericht hatte Whelan wegen Spionage zu 16 Jahren Lagerhaft verurteilt. Der frühere US-Soldat war im Dezember 2018 in Moskau festgenommen worden, damals leitete er die Sicherheitsabteilung eines US-Autozulieferers. Er soll in einem Hotelzimmer Staatsgeheimnisse überreicht bekommen haben. Whelan war nach eigenen Angaben in der russischen Hauptstadt, weil er eine Hochzeit besuchen wollte.

Laut seinem Anwalt wurde Whelan Opfer eines Hinterhalts: Er habe damals von einem Bekannten einen USB-Stick erhalten und geglaubt, es befänden sich Urlaubsfotos auf dem Speichermedium. Whelan will das Urteil anfechten. In seinem Schlusswort vor Gericht hatte er betont, dass er unschuldig sei. Auch Zeugen hätten bestätigt, dass er weder Informanten angeworben noch geheime Informationen gesammelt habe, sagte sein Anwalt Wladimir Scherebenkow. Whelan hielt ein Plakat hoch, auf dem stand, nun sei eine entschlossene Aktion von US-Präsident Donald Trump nötig. Dieser schweigt allerdings bislang in der Sache.

Der Fall hat Spekulationen befeuert, beide Länder könnten sich auf einen Gefangenenaustausch vorbereiten. Laut Scherebenkow will der russische Inlandsgeheimdienst FSB den in den USA unter anderem wegen Waffenhandels und Verschwörung zum Mord verurteilten Russen Viktor But gegen Whelan austauschen. Die Frage werde weiter erörtert, sagte Whelans Anwalt.

ulz/AFP/Reuters
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