US-Außenminister Pompeo vermutet "hohe russische Regierungsmitglieder" hinter Nawalny-Anschlag

Die Kritik an Russland im Fall Nawalny wird auch in den USA lauter: Laut Mike Pompeo gibt es eine "erhebliche Wahrscheinlichkeit", dass Spitzenkräfte des Kremls die Attacke auf den 44-Jährigen gesteuert haben.
Mike Pompeo (am 20. August): Versuch, "einen Dissidenten zu vergiften"

Mike Pompeo (am 20. August): Versuch, "einen Dissidenten zu vergiften"

Foto: Mike Segar / AP

Vor fünf Tagen hatte Donald Trump noch öffentlich angezweifelt, dass Russland hinter dem Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny steckt. Vor zwei Tagen forderte er dann das Aus für das Pipelineprojekt Nord Stream 2 als mögliche Reaktion auf eine Verwicklung des Kremls. Nun geht sein Außenminister noch einen Schritt weiter - und wird deutlich.

Die Attacke auf Nawalny ist nach Einschätzung von Mike Pompeo wahrscheinlich von "hochrangigen" Mitgliedern der russischen Regierung angeordnet worden.

Es gebe eine "erhebliche Wahrscheinlichkeit", dass hohe Regierungsmitarbeiter hinter dem Anschlag steckten, sagte Pompeo am Mittwoch in einem Radiointerview. Es habe sich um den Versuch gehandelt, "einen Dissidenten zu vergiften".

Moskau weist jede Schuld an dem Gesundheitszustand des Oppositionellen zurück, der in der Berliner Klinik Charité behandelt wird.

Die G7-Staaten, zu denen die USA wie auch Deutschland gehören, hatten am Dienstagabend schnellstmögliche Aufklärung von Russland über den Fall verlangt. Moskau müsse "dringend" die Täter hinter der "bestätigten Vergiftung" der Justiz übergeben, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der G7-Außenminister. Russland müsse "volle Transparenz schaffen, wer verantwortlich ist". Jede Nutzung chemischer Waffen sei "inakzeptabel".

Moskau streut Gerüchte über angebliche Vergiftung in Deutschland

Nach Angaben der Bundesregierung ist "zweifelsfrei" erwiesen, dass der 44-jährige Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Russland mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde.

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Nawalny war am 22. August mit Vergiftungserscheinungen aus Russland nach Berlin geflogen worden. Die Ärzte in dem sibirischen Krankenhaus, in dem Nawalny anfangs behandelt worden war, hatten nach eigenen Angaben sowie nach Angaben des Kremls kein Gift in seinem Körper gefunden.

Zuletzt wurden aus dem Umfeld des Kremls Theorien lanciert, wonach Nawalny in Berlin von Deutschen vergiftet worden sein oder selbst Gift zu sich genommen haben könnte. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, den Aussagen des Westens über einen Giftanschlag auf Nawalny müsse mit einer "guten Dosis Skepsis" begegnet werden. Zuerst müsse Berlin ohnehin dem Rechtshilfeersuchen Russlands nachkommen.

jok/AFP
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