Proteste gegen Polizeigewalt in den USA Journalisten zwischen den Fronten

Bei den Protesten in den USA sind zwei Reporter mit Gummigeschossen verletzt worden. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Journalisten werden zunehmend zur Zielscheibe - für Polizei und Demonstranten.
Fotograf bei Protesten in Minnesota: Mehrere Journalisten wurden mit Tränengas beschossen

Fotograf bei Protesten in Minnesota: Mehrere Journalisten wurden mit Tränengas beschossen

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Am Montag ist der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis gestorben. Seither gehen im ganzen Land Menschen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt auf die Straße. Ihr Protest schlägt dabei zunehmend in Gewalt um, die Polizei greift immer härter durch.

Seit Tagen laufen in den Nachrichten Bilder, die den wachsenden Zorn dokumentieren: Demonstranten und Polizisten, die sich bedrohlich nahe kommen. Brennende Polizeiwagen. Plünderungen. Beamte, die Tränengas gegen friedliche Protestierende einsetzen.

Dabei geraten nun ausgerechnet jene, die die Szenen festhalten, zwischen die Fronten. Immer mehr Journalisten berichten, dass sie Opfer von Angriffen geworden sind. Sie werden selbst Ziel von Polizeigewalt, doch auch die Wut der Demonstranten richtet sich zunehmend gegen Medien.

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Amerika brennt

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Der jüngste Fall ist die Attacke auf zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Journalisten wollten von den Protesten in Minneapolis berichten und wurden dabei von Gummigeschossen aus einer Polizeiwaffe verletzt.

Polizist zielt direkt auf Kameramann

Die Nachrichtenagentur selbst hat den Vorfall nun öffentlich gemacht. Er habe sich demnach ereignet, als die Polizei kurz nach Inkrafttreten der Ausgangssperre um 20 Uhr gegen rund 500 Demonstranten mit Gummigeschossen und Tränengas vorrückte. Aufnahmen des Reuters-Kameramannes Julio-Cesar Chavez zeigen, wie ein Polizist direkt auf ihn zielt.

"Ein Polizist, den ich gerade filme, dreht sich um, zielt mit seinem Gummigeschoss-Gewehr direkt auf mich", berichtete Chavez. Minuten später wurden Chavez und der Reuters-Sicherheitsberater Rodney Seward von Gummigeschossen getroffen, als sie bei einer Tankstelle in Deckung gehen wollen.

Auf der Aufnahme der Kamera, die während der Flucht der beiden Journalisten weiterlief, sind mehrere Schüsse zu hören. Seward schreit auf: "Ein Gummigeschoss hat mich im Gesicht getroffen." In einer späteren Aufnahme ist Seward zu sehen, wie er von einem Sanitäter vor Ort behandelt wird. Unter seinem linken Auge klafft eine tiefe Wunde. Chavez wurde im Genick getroffen. Beide Männer haben zudem Verletzungen an den Armen.

Die Reuters-Mitarbeiter waren der Nachrichtenagentur zufolge klar als Pressevertreter zu erkennen. Chavez trug eine Kamera und seinen Presseausweis um den Hals. Seward trug eine schusssichere Weste mit der Aufschrift "Presse".

Ein Sprecher der Polizeidirektion von Minneapolis, der zu dem Vorfall befragt wurde, verlangte eine Kopie der TV-Aufnahme und machte ansonsten zunächst keine Angaben.

CNN-Journalist vor laufender Kamera festgenommen

Auch in einem ähnlichen Fall hält sich die Polizei von Minneapolis bisher bedeckt. Bereits am Freitag hatten Beamte einen schwarzen Reporter des Nachrichtensenders CNN und sein Team vor laufender Kamera festgenommen. Der Korrespondent Omar Jimenez hatte per Live-Schalte über die Proteste berichtet, als er plötzlich abgeführt wurde.

CNN bezeichnete das als Verstoß gegen die Pressefreiheit. Kurz darauf kamen die Journalisten wieder frei - Gründe für die Festnahme nannte die Polizei nicht. Einen Tag später ging sie jedoch erneut gegen Journalisten vor.

DER SPIEGEL

Wie der britische "Guardian" berichtet , wurden am Samstag mehrere Reporter mit Tränengas beschossen. Das Blatt zitiert Molly Hennessy-Fiske, eine Reporterin der "Los Angeles Times". Sie habe mit etwa einem Dutzend Journalisten zusammengestanden und über die Proteste berichten wollen, als eine Polizeieinheit "Tränengaskanister aus nächster Nähe auf uns abgefeuert hat".

Demonstranten attackieren Journalisten in Washington

In Washington ist ein Kamerateam des konservativen Senders Fox News ins Visier wütender Demonstranten geraten. Der Sender schrieb, das Team um den Reporter Leland Vittert sei vor dem Weißen Haus geschlagen und von Demonstranten verfolgt worden. Der Vorfall soll sich demnach bereits in der Nacht auf Samstag, ereignet haben. "Wir haben ordentlich Schläge abbekommen", sagte Vittert der Nachrichtenagentur AP.

Ebenfalls in Washington haben Demonstranten in der Zentrale des Senders CNN randaliert, dabei wurden Scheiben des Bürogebäudes eingeschlagen, in dem der Sender sitzt.

In New York wurde mindestens ein Journalist festgenommen. Zwei Reporter haben auf Twitter berichtet , sie seien von Polizisten in Los Angeles geschlagen worden. Aufnahmen aus Louisville, Kentucky, zeigen, wie eine TV-Reporterin aufschreit: "Auf mich wird geschossen!" Sie wird vor laufender Kamera getroffen, vermutlich von einem Pfefferspraygeschoss. Die Polizei in Louisville bat später um Entschuldigung.

Das Reporter-Komitee für Pressefreiheit hat der "New York Times" zufolge rund zehn Berichte über ähnliche Vorfälle während Demonstrationen erhalten, sie reichen von Angriffen bis Bedrohungen.

Mit Material aus den Nachrichtenagenturen.

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