Getöteter Afroamerikaner George Floyd "Sie haben ihn schlechter behandelt als ein Tier"

Wieder ist ein Schwarzer in den USA bei einem Polizeieinsatz getötet worden. "Sagt seinen Namen" ist seither der Slogan der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt im Land. Sein Name: George Floyd.
Protest in Minneapolis: Demonstranten halten das Porträt von George Floyd hoch

Protest in Minneapolis: Demonstranten halten das Porträt von George Floyd hoch

Foto: Christine T. Nguyen/ dpa

In der dritten Nacht in Folge hat der gewaltsame Tod eines Afroamerikaners in den USA heftige Proteste ausgelöst. Sein Fall befeuert erneut die Debatte über Polizeigewalt und Rassismus im Land. Auf der Straße und in sozialen Netzwerken wird seit Tagen ein Slogan wiederholt: "Sagt seinen Namen!"

George Floyd lautet der Name des Mannes, der am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ums Leben kam. Er soll versucht haben, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein in einem Lebensmittelgeschäft zu bezahlen. Dem Polizeibericht zufolge habe sich Floyd seiner Verhaftung widersetzt. Die darauffolgenden Szenen sind in einem mittlerweile millionenfach angesehenen Handyvideo festgehalten.

Zu sehen ist darauf, wie der 46 Jahre alte Floyd wehrlos neben einem Streifenwagen auf den Pflastersteinen liegt. Ein Polizist drückt ihm das Knie auf den Hals. "Bitte, ich kann nicht atmen", sagt Floyd und fleht um sein Leben. Etwa acht Minuten lang bleibt der Polizist in seiner Position, Floyd verliert in dieser Zeit das Bewusstsein. Dem Polizeibericht zufolge haben die Beamten schließlich einen Krankenwagen gerufen - zu spät für Floyd.

Bisher wurde niemand in dem Fall festgenommen

Um 21.25 Uhr wird er im Hennepin County Medical für tot erklärt. Die Aufnahmen des Polizeieinsatzes verbreiten sich zu diesem Zeitpunkt bereits in den sozialen Netzwerken. Die Aufnahmen sorgen für Entsetzen und Erschütterung. Weil sie zeigen, mit welcher unverhältnismäßigen Gewalt der Polizist vorgeht. Weil der Beamte auch dann nicht von Floyd ablässt, als andere ihm zurufen "Du hast ihn doch schon, lass los." Und weil wieder einmal ein Polizeieinsatz wegen einer vermeintlichen Nichtigkeit tödlich für einen schwarzen US-Bürger endet.

Von verschiedenen Seiten werden nun Forderungen laut, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Schwarz zu sein, darf in Amerika keine Todesstrafe sein", sagte der Bürgermeister Jacob Frey am Dienstag als er die Entlassung der Polizisten bekannt gibt. Neben dem Polizisten, der Floyd am Boden hielt, waren drei weitere Beamte an der Festnahme beteiligt.

Sie sind zwar ihre Jobs los, befinden sich jedoch auf freiem Fuß. Angeklagt wurde in dem Fall bisher niemand. Überall im Land protestieren Menschen nun genau dafür. Und auch die Familie des Getöteten fordert harte Strafen für die Verantwortlichen.

"Sie haben ihn schlechter behandelt als ein Tier", sagte Philonise Floyd, ein Bruder des Toten, der "New York Times" . "Sie haben ein Leben genommen und verdienen dafür lebenslänglich." Der Vermerk aus dem Polizeibericht, Floyd habe sich seiner Festnahme widersetzt, steht in Kontrast dazu, wie Weggefährten die Persönlichkeit des Toten beschreiben. "Er war ein sanfter Riese, der niemandem wehtat", sagte Philonise Floyd dem Nachrichtensender CNN  über seinen Bruder.

DER SPIEGEL

Die Art Mensch, die immer versucht, zu helfen

Floyd hatte zuletzt mehrere Jahre als Sicherheitsmann in einem Restaurant gearbeitet. Dort sei er bei den Kollegen sehr beliebt gewesen, sagte sein früherer Arbeitgeber Jovanni Thunstrom US-Medien. Er sei ein ruhiger und netter Typ gewesen. "Er hat sogar Betrunkene nach Hause gefahren", erinnert sich Thunstrom. Floyd sei die Art Mensch gewesen, die immer versucht, zu helfen.

In seiner Gemeinde war der 46-Jährige für seine Abneigung gegen Waffen bekannt. Es gibt ein kurzes Handyvideo, in dem Floyd sich um die zunehmende Waffengewalt in seinem Viertel sorgt. Mit sanfter, tiefer Stimme sagt er darin: "Unsere junge Generation ist verloren." Er schließt seinen Appell mit den Worten: "Eines Tages ist es eine Sache zwischen dir und Gott."

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Auch seine Verlobte Courtney Ross beschreibt Floyd als religiös. "Er hätte sich selbst als Mann Gottes bezeichnet", sagte sie in einem Statement. Unter Tränen erzählt sie auch, warum sich der gebürtige Texaner vor einigen Jahre dazu entschlossen hat, nach Minneapolis zu gehen. "Er wollte einen Neuanfang", sagt sie. Ein Freund habe ihm zu dem Umzug geraten.

Ähnliches berichtet der frühere NBA-Spieler Stephen Jackson. Er sei ein langjähriger Freund des Getöteten gewesen. "Er war mein Bruder", sagt Jackson. In Minneapolis habe er nach einem besseren Leben gesucht.

Nun ist der Vater von zwei Töchtern tot. Ob der 20-Dollar-Schein, den Floyd benutzt hat, wirklich gefälscht war, ist bisher unklar. Während die Wut der Demonstranten auf der Straße wächst, stellen sich andere bereits die Frage, wie lange es dauert, bis auch der Name George Floyd nur ein weiterer auf einer langen Liste ähnlicher Fälle sein wird.

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