Mitteilung aus Minsk Russische Truppen sollen in Belarus bleiben – angeblich für weitere Militärübung

Offiziell schickte Russland Truppen für ein Manöver nach Belarus, nun sollen sie nach Angaben aus Minsk bleiben. Das Verteidigungsministerium begründete dies mit der »Verschärfung der Situation im Donbass«.
Russisch-belarussische Militärübung auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovski am Samstag

Russisch-belarussische Militärübung auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovski am Samstag

Foto:

Alexander Zemlianichenko Jr / dpa

Russische Truppen sollen länger als geplant in Belarus bleiben. Das kündigt das belarussische Verteidigungsministerium an. Die Militärübungen sollten eigentlich am Sonntag enden, Präsident Alexander Lukaschenko und sein russischer Kollege Wladimir Putin hätten vor dem Hintergrund der »Eskalation« des Konflikts in der Ostukraine entschieden, die »Überprüfung der Kampfbereitschaft der Streitkräfte des Unionsstaats fortzusetzen«, teilte das belarussische Verteidigungsministerium im Messengerdienst Telegram mit.

Russland hatte zuvor zugesichert, seine Soldaten nach dem planmäßigen Ende des Manövers an diesem Sonntag aus Belarus abzuziehen. Nun habe man sich wegen der »Zunahme militärischer Aktivitäten« in der Nähe der belarussischen Grenze und aufgrund einer »Verschärfung der Situation im Donbass« anders entschieden, heißt es. Die gemeinsamen Militärübungen würden fortgesetzt. Nach Nato-Schätzungen befinden sich für das seit dem 10. Februar andauernde Manöver derzeit rund 30.000 russische Soldaten auf belarussischem Gebiet.

Nato-Generalsekretär spricht von »beunruhigenden Zeichen«

Der massive russische Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze sowie das Manöver nähren die Furcht vor einem bevorstehenden russischen Großangriff auf die Ukraine. Im umkämpften Osten der Ukraine nimmt die Gewalt seit Tagen zu. Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten in dem Konfliktgebiet warfen sich zuletzt gegenseitig zahlreiche Verstöße gegen die Waffenruhe vor.

Am Samstag ordneten die Separatisten eine »Generalmobilmachung« an – und forderten zugleich Frauen, Kinder und Ältere erneut zur Ausreise nach Russland auf. Die prorussischen Rebellen riefen die Reservisten auf, »in die Einschreibebüros des Militärs zu kommen«. Der Chef der selbst ernannten »Volksrepublik Donezk«, Denis Puschilin, sagte: »Ich appelliere an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen.«

Die USA und die Nato hatten zuletzt vor einem sogenannten Angriff Russlands unter falscher Flagge gewarnt. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte am Samstag, es gebe Anzeichen dafür, dass »Russland sich darauf vorbereitet, einen Vorwand für einen Angriff auf die Ukraine zu schaffen«. Die zunehmenden Waffenstillstandsverstöße in der Ostukraine, die »falschen Anschuldigungen« eines »Genozids« im Donbass und die Evakuierung der von den prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete seien »beunruhigende Zeichen«.

Belarussischer Kampfhubschrauber bei der Übung am Samstag

Belarussischer Kampfhubschrauber bei der Übung am Samstag

Foto: Alexander Zemlianichenko Jr / AP

Russland und die ehemalige Sowjetrepublik pflegen engste Beziehungen. Beide Staaten kooperieren im Rahmen der Belarussisch-Russischen Union vor allem im verteidigungs- und wirtschaftspolitischen Bereich.

apr/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.