Attacke am 6. Januar 2021 »Mittelalterliche Hölle« – Biden verurteilt Trumps Untätigkeit bei Kapitol-Sturm

»Blut tropfte von ihnen, sie standen mitten im Gemetzel«: In drastischen Worten hat Joe Biden das Schicksal der Polizisten während des Kapitol-Sturms geschildert – und seinen Vorgänger scharf angegriffen.
Joe Biden in Covid-Isolation mit Schäferhund Commander

Joe Biden in Covid-Isolation mit Schäferhund Commander

Foto: Adam Schultz / dpa

In ungewöhnlich deutlichen Formulierungen hat sich US-Präsident Joe Biden über das Verhalten seines Vorgängers Donald Trump während der Kapitol-Erstürmung geäußert. Die Gewalteskalation an dem Tag bezeichnete er als »mittelalterliche Hölle«.

»Mutige Polizisten waren der mittelalterlichen Hölle drei Stunden lang ausgesetzt, Blut tropfte von ihnen, sie standen mitten im Gemetzel dem rasenden Mob gegenüber, der die Lügen des besiegten Präsidenten glaubte«, sage Biden, der am Montag bei einer Konferenz der Organisation schwarzer Polizeichefs zugeschaltet war. Er befindet sich immer noch in Coronaisolation.

»Drei Stunden lang hat der besiegte frühere Präsident der Vereinigten Staaten dabei zugeschaut, wie all das geschah, während er gemütlich im privaten Speisesaal neben dem Oval Office saß«, sagte der Demokrat weiter. »Die Polizisten waren an diesem Tag Helden. Donald Trump fehlte der Mut zu handeln«.

Der Präsident fügte hinzu: »Man kann nicht Pro-Aufstand und Pro-Polizei sein. Man kann nicht Pro-Aufstand und Pro-Demokratie sein. Man kann nicht Pro-Aufstand und Pro-Amerika sein«.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung vom 6. Januar 2021 hatte Trump vergangene Woche vorgeworfen, während der Gewalt drei Stunden lang untätig geblieben zu sein, statt seine Anhänger zum Verlassen des Kongresses aufzurufen.

Der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger sagte dabei, Trump habe sich bewusst »entschieden, nicht zu handeln«, weil der »Mob« seinen Plan umgesetzt habe.

Radikale Trump-Anhänger hatten das Kapitol gestürmt, als dort Bidens Sieg bei der Präsidentschaftswahl vom November 2020 offiziell bestätigt werden sollte. Trump hatte seine Anhänger kurz zuvor in einer aufpeitschenden Rede dazu aufgerufen, zum Kapitol zu marschieren und »auf Teufel komm raus« zu kämpfen. Die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten und rund 140 verletzten Polizisten sorgte weltweit für Entsetzen und gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie.

Worte der Distanzierung aus Manuskript entfernt

Nach aktuellem Stand verweigerte Trump auch nach den erschütternden Bildern eine Distanzierung von den Randalierern. Ein ursprüngliches Skript für seine Rede am Tag nach dem Sturm aufs Kapitol enthielt harte Worte. So sollte das Justizministerium aufgefordert werden, »sicherzustellen, dass alle Gesetzesbrecher im vollen Umfang des Gesetzes verfolgt werden«. Außerdem sollte Trump sagen, dass die Randalierer »mich nicht vertreten«.

Diese Zeilen wurden jedoch mit dicken schwarzen Linien durchgestrichen, offenbar von Trump selbst. Dies geht aus Dokumenten hervor, die Ermittler des Repräsentantenhauses veröffentlicht haben.

Die Abgeordnete Elaine Luria aus Virginia, ein demokratisches Mitglied des Ausschusses des Repräsentantenhauses, twitterte  am Montag ein kurzes Video, das Aussagen von Mitarbeitern des Weißen Hauses enthält, die Trumps Rede vom 7. Januar diskutieren, sowie einen Screenshot der Rede mit Notizen und durchgestrichenen Zeilen. In einem der Clips bestätigt Trumps Tochter Ivanka Trump dem Ausschuss, dass das Dokument »wie eine Kopie eines Entwurfs der Rede für diesen Tag aussieht« und dass die Schrift »wie die Handschrift meines Vaters aussieht«.

DER SPIEGEL

Trotz immer neuer Enthüllungen zu seinem Verhalten rund um den 6. Januar 2021 gilt Trump als aussichtsreichster Anwärter auf eine erneute Nominierung seiner Partei für die Präsidentschaftswahl 2024.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Biden habe seinen Nachfolger scharf angegriffen. Es handelte sich um seinen Vorgänger, Donald Trump. Wir haben die Stelle korrigiert.

jok/AFP
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