Seenotrettung im Mittelmeer »Ocean Viking« sucht Hafen – mit fast 600 Menschen an Bord

Hunderte Geflüchtete rettete die »Ocean Viking« zuletzt von viel zu kleinen Booten vor Libyen und Malta. Nun ist das Schiff selbst überfüllt. Doch bislang darf es keinen Hafen anlaufen.
Rettungsaktion der »Ocean Viking« (Hintergrund) am Sonntag

Rettungsaktion der »Ocean Viking« (Hintergrund) am Sonntag

Foto: Flavio Gasperini / dpa

Mit 572 geretteten Menschen an Bord sucht das Schiff »Ocean Viking« der privaten Organisation SOS Mediterranee nach einem sicheren Hafen im Mittelmeer. Die in Seenot geratenen Geflüchteten seien in den zurückliegenden fünf Tagen bei sechs Einsätzen in Sicherheit gebracht worden, teilte die Organisation mit. Die Crew habe die Rettungsaktionen in maltesischen und libyschen Gewässern durchgeführt.

Allein in der Nacht von Sonntag auf Montag hatte die Besatzung der Ocean Viking demnach 369 Menschen von einem Holzboot gerettet, das zu kentern drohte.

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183 Menschen an Bord sind nach Angaben der Organisation Minderjährige, zwei davon haben demnach schwere Behinderungen. Die freiwilligen Helfer appellieren in einer Mitteilung  an die EU, die Geretteten aufzunehmen. Keine der zuständigen Seefahrtsbehörden habe die Koordination für die Rettungseinsätze übernommen, lautete der Vorwurf. Die Crew sprach von »erschütternden« Erlebnissen in den vergangenen Tagen. Man habe mehrere Fälle von Treibstoffverbrennungen, Sonnenbrand, Dehydrierung und extremer Erschöpfung behandeln müssen.

»Ocean Viking« ist einziges privates Rettungsschiff im Mittelmeereinsatz

Die »Ocean Viking« ist derzeit das einzige Schiff einer privaten Seenotretter-Organisation, das im zentralen Mittelmeer operiert. Die übrigen Schiffe verschiedener Organisationen werden entweder in Italien von den Behörden festgehalten oder auf einen kommenden Einsatz vorbereitet.

Auch die libysche und tunesische Küstenwache nehmen immer wieder Menschen im zentralen Mittelmeer an Bord, bringen sie aber zurück. Viele Organisationen kritisieren das mit der Begründung, dass den Geretteten zum Beispiel im Krisenland Libyen Gewalt drohe. Auch eine nun an Bord der "Ocean Viking" befindliche Frau aus Kamerun, sagte der Organisation zufolge, die Menschen kämen aus einem Gefangenenlager in Libyen. Dort seien sie »wie Müll behandelt« und »vergewaltigt« worden, hieß es.

DER SPIEGEL

Die Zahl der Bootsmigranten auf dem Weg über das südliche Mittelmeer in die EU hatte zuletzt wieder stark zugenommen. In Italien wurden mit Stand vom vergangenen Freitag knapp 21.000 angekommene Bootsmigranten gezählt. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es demnach etwas mehr als 7300.

fek/dpa