Mordfall Khashoggi US-Bundesrichter weist Klage gegen saudischen Kronprinzen bin Salman ab

Die Witwe des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi hatte geklagt – doch ein Richter in den USA verwies nun auf die juristische Immunität des saudischen Kronprinzen. Die Argumentation folgt der Linie der US-Regierung.
Mohammed bin Salman (am 18. November)

Mohammed bin Salman (am 18. November)

Foto: Athit Perawongmetha / EPA

Es könnte einer der letzten Versuche gewesen sein, die Verantwortlichen des Mordes an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi doch noch juristisch zur Verantwortung zu ziehen. Dieser Versuch ist am Dienstag (Ortszeit) gescheitert. Ein US-Bundesrichter hat eine Klage gegen den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman abgewiesen.

Er verwies dabei auf eine von der US-Regierung übermittelte Stellungnahme, wonach der Verklagte amtierender Regierungschef »und damit immun« sei. Auch wenn die klagende Verlobte Khashoggis »starke« Argumente vorgebracht habe, müsse er dem Regierungsstandpunkt folgen, erklärte Richter John Bates.

Khashoggis Verlobte Hatice Cengiz wollte in dem Prozess den Nachweis erbringen, dass bin Salman hinter der Ermordung des Regierungskritikers im Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul stand. Cengiz habe »starke« Argumente, erklärte Richter Bates. Er habe aber keine andere Wahl, als sich nach der Stellungnahme der US-Regierung zu richten und die Klage deshalb abzuweisen.

Die Regierung hatte Mitte November dem Richter eine offizielle Stellungnahme übermittelt, wonach bin Salman als Regierungschef Immunität genieße. Der einflussreiche Kronprinz, der bereits seit Jahren als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens gilt, war allerdings erst im September zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Unter anderem diese zeitliche Abfolge bereite ihm »Unbehagen«, erklärte Bates.

Der 59-jährige Khashoggi war 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet worden, wo er einen Termin zur Vorbereitung der Hochzeit mit der aus der Türkei stammenden Cengiz hatte. Nach offiziellen Angaben aus der Türkei und den USA wartete in der Vertretung ein 15-köpfiges Kommando, ermordete ihn und ließ seine Leiche verschwinden. Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes hatte bin Salman persönlich Khashoggis Ermordung gebilligt.

Zuletzt wieder gefragter Gesprächspartner

Unter internationalem Druck erklärte Riad nach wochenlangen Dementis, dass der Regierungskritiker und Gegner bin Salmans »bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme« getötet worden sei. Der Mord hatte international Entsetzen ausgelöst und die Beziehungen zwischen dem ölreichen Saudi-Arabien und vielen westlichen Ländern erheblich belastet.

Inzwischen ist der Kronprinz aber nicht zuletzt infolge der Energiekrise wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder ein gefragter Gesprächspartner. Im Juli hatte sich auch US-Präsident Joe Biden mit bin Salman getroffen. Vor seiner Wahl hatte Biden noch gesagt, dass Saudi-Arabien wegen der Ermordung Khashoggis wie ein »Paria«-Staat behandelt werden sollte.

jok/dpa
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