Mord an Regierungschef 1986 Schweden hofft auf Aufklärung im Fall Olof Palme

Der Mord am schwedischen Premierminister Palme beschäftigt die Behörden seit Jahrzehnten. Nun will der leitende Staatsanwalt das Ergebnis neuer Ermittlungen vorstellen - der Täter ist aber möglicherweise bereits tot.
Olof Palme während seiner ersten Amtszeit als Premier 1975

Olof Palme während seiner ersten Amtszeit als Premier 1975

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JACK MIKRUT/ AFP

Der Mord am schwedischen Regierungschef Olof Palme liegt inzwischen mehr als 34 Jahre zurück – doch die aufsehenerregende Tat ist noch immer nicht aufgeklärt. Nun wartet das Land mit Spannung auf Mittwoch: Dann will der leitende Staatsanwalt Krister Petersson zusammen mit Fahndungsleiter Hans Melander bekannt geben, ob er Anklage erhebt oder den Fall zu den Akten legt.

Palme war am Abend des 28. Februar 1986 mit zwei gezielten Schüssen in den Rücken aus nächster Nähe getötet worden. Der 59-jährige sozialdemokratische Ministerpräsident war mit seiner Frau nach einem Kinobesuch ohne Polizeischutz auf dem Weg nach Hause.

Nach einer umstrittenen Gegenüberstellung fast drei Jahre nach der Tat hatte Palmes Witwe den drogenabhängigen Kleinkriminellen Christer Pettersson als Täter identifiziert, der im Juli 1989 verurteilt, in der nächsten Instanz allerdings aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Pettersson starb im Jahr 2004.

Nach Jahrzehnten ohne Fortschritte: Staatsanwalt sprach im Februar von neuen Spuren

Seitdem gingen Hunderttausende Hinweise bei den Ermittlern ein, immer neue Spekulationen über mögliche Hintermänner machten die Runde. Die Ermittler befragten mehr als 10.000 Menschen und fahndeten mit großem Aufwand nach Verdächtigen, verhaftet wurde aber niemand.

Im Lauf der Jahre verdächtigten die Ermittler unter anderem die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), das schwedische Militär sowie die Polizei und den südafrikanischen Geheimdienst. Petersson übernahm im Jahr 2017 die Ermittlungen.

Mitte Februar hatte der Staatsanwalt dann unter Verweis auf neue Spuren verkündet, er hoffe, bis zum Sommer präsentieren zu können, was in der Mordnacht passiert und wer dafür verantwortlich sei. Noch im ersten Halbjahr 2020 wolle er entweder Anklage erheben oder die Voruntersuchungen einstellen, hatte er in einer Kriminalsendung des Senders SVT gesagt. Der heutige Premierminister Stefan Löfven sagte im Februar, die unaufgeklärte Tat sei eine "offene Wunde für Schweden".

Denkbar ist eine Einstellung der Ermittlungen auch deshalb, weil die Personen im Zentrum der Spekulationen inzwischen alle tot sind. 2018 hatten schwedische Journalisten verkündet, dass sie den Täter identifiziert hätten : Demnach handelte es sich um Stig Engström, der als "Skandia-Mann" bekannt wurde, weil er in einem nahe am Tatort gelegenen Gebäude der Skandia-Versicherung als Werbegrafiker arbeitete. Engström starb bereits im Jahr 2000, die Ermittler bestätigten die Recherchen bislang nicht.

mes/dpa/AFP/Reuters
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